3V Farbenlehre
in den Glaskörper und wieder bei dem AuStritte aus demselben, von seinerBahn abgelenkt und in eine andre geradlinige Bahn (von dem Winkel derbeiden Glasflächen, durch die er ein- und austritt, dem sogenannten Bre-chungswinkel, abwärts) gebrochen wird; 2) daß der Lichtstrahl, der vor demPrisma auf einem Papier (welches man in denselben so hält, daß er daraufsenkrecht fällt) einen völlig weißen Kreis bildet, hinter dem Prisma, aufeinem ebenso gehaltenen Papiere, ein farbiges Bild darstellt, das ungefährü Mal so lang als breit ist, und die Farben des Regenbogens genau inderselben Folge und Art zeigt, wie wir sie in der Luft sehen. Man nenntdieses Bild das prismatische Farbenbild oder Farbenspectrum. Die Längedesselben befindet sich in einer auf der Axe des Prisma senkrecht stehendenEbene; an dem Ende, welches nach dem brechenden Winkel des Prisma zuliegt, ist es roth, an dem von dem brechenden Winkel am weitesten abwärtsliegenden Ende violett, dazwischen orangefarben, gelb, grün, blau und indigblau.Newton hat aus diesen und ähnlichen, mannigfach abgeänderten und genaubeobachteten Erscheinungen geschlossen, daß diese farbigen Lichter die einfachensind, und daß alles weiße Licht aus ihnen, nach eben dem Verhältnisse, zu-sammengesetzt ist, worin sie sich in dem prismatischen Farbenbildc zeigen.Jeder weiße Lichtstrahl enthält, nach ihm, alle sieben farbigen Lichter zu-gleich; diese erkennen wir aber nicht, weil sie in ihrem Zusammenwirken aufjedem Punkte der Netzhaut, in ihrem völligen Verschmelzen in der Empfin-dung, den Eindruck, welchen wir weiß nennen, hervorbringen. Diese farbigenLichter werden von den Körpern alle nach einerlei Gesetz zurückgeworfen, da-her weißes Licht beim Zurückwerfen weiß bleibt. Aber sie haben eine ver-schiedene Brechbarkeit; die rothen Strahlen die kleinste, die grünen die mitt-lere, die violetten die größte, und werden daher, so oft weißes Licht eineBrechung erleidet, von einander abgesondert, weil sie, vermöge ihrer verschie-denen Brechbarkeit, wenn sie gleich parallel einfallen, doch in verschiedenemGrade abgelenkt, und daher in verschiedenen Richtungen gebrochen werden;das Roth am wenigsten, Orange stärker, noch stärker Gelb, Grün, Blau,Indiz, am allcrstärksten Violett oder Purpur. Wenn diese siebenfältigenStrahlen wieder möglichst nahe einer neben dem andem parallel ins Augefallen, sehen wir sie als weißes Licht. Die mchrsten Körper haben die Ei-genschaft, von den farbigen Strahlen, welche darauf fallen, einige zu bindenund zu verschlucken, und nur eine oder ein Paar Arten zurückzuwerfen oderdurch sich hindurchzulassen; daher rühren, nach Newton, die Farben derKörper. Blaue Seide z. B. verschluckt sechs farbige Lichter des weißenStrahls und wirft nur das blaue Licht zurück, und Cochenilletinctur läßtvom weißen Lichte bloß den rothen Theil hindurch und verschluckt die andernTheile. Für alles Dieses sprechen die Versuche mit Farbenscheiben, die aufeinem kleinen Rade schnell in die Runde getrieben werden, und Versuchemit dem Farbenspectrum, das man auf farbige Körper fallen läßt. Newtonhat diese Theorie in seiner „Optik" (welche vielmehr die Überschrift Farbenlehreverdiente) auseinandergesetzt; sie ist, alles Scharfsinns ungea ltet, welcheraus ihr hervorleuchtet, nicht in jeder Hinsicht genügend. Mehre (namentlichWunsch: „Versuche und Beobachtungen über die Farben des Lichts", Leipz.1792) haben daran geändert und gebessert, besonders was die Zahl der ein-fachen Farben betrifft, die Einige auf drei, Andre auf zwei haben vermindernwollen. Unter die Hauptgegner der Lehre Newton's vom farbigen Lichtegehört Göthe. Er erklärt alle Farbenerscheinung daraus, daß entweder dasLicht durch ein trübes Mittel gesehen wird, ohne daß sich hinter einem be-leuchteten trüben Mittel die Finsterniß als ein Hintergrund befindet. Ge-