Prunk des Heidenthums, ward in Kirchen der Christenheit über-getragen. Feste, Zeremonien, fromme Gebräuche wurden ein-geführt und mit jedem Jahrhundert vermehrt; inzwischen An-dere, mit Sehnsucht nach höherer Frömmigkeit, in Einsamkeitflohen, den unschuldigsten Freuden des Lebens entsagten, inWüsten Bethütten, in Wildnissen Klöster bauten. Die siegendgewordenen Christen verfolgten nun eben so furchtbar und un-barmherzig die Juden und Heiden, wie sie sonst von denselbenverfolgt worden waren. Die Hartherzigkeit der Christen warddurch die rohen Sitten des Zeitalters und überhandnehmendeUnwissenheit der Völker vergrößert. Denn halbwilde, siegreicheNationen hatten die Wohnsitze ehemaliger gebildeter Völker ein-genommen und Kunst und Wissenschaft zerstört. Ihr Aberglaubedrang in das Hriligthum der christlichen Religion. DaS Christen-thum bestand zuletzt fast nur noch in Uebung kirchlicher Gebräuche,in Opfern, Gebeten und schwärmerischen Kasteiungen. Allesglich wieder dem Heidenthume der vergangenen Zeiten. Aus derVerehrung verstorbener, frommer Personen ward eine Ver-ehrung und Anrufung der Heiligen. Wie ehemals alle Gegen-stände und Verrichtungen im Leben Schutzgötter hatten, er-hielten dieselben nun Schutzheilige. In der allgemeinen Un-wissenheit der Völker wurden durch den Aberglauben derselbendie Klöster reich, die Bischöfe groß, die Päpste allgewaltig.Es herrschte die Kirche über Kaiser und Könige. Von Romaus setzte der Papst weltliche Monarchen auf den Thron, oderstürzte sie; wiegelte Unterthanen gegen Obrigkeiten auf; machtesich große Länder zinsbar, und verkaufte um Geld Gottes Gnadeund Vergebung der Sünden. — Aber die Vorsehung walteteauch in dieser Finsterniß. Sie erweckte den Muth geistvollerund frommer Männer. Die Verlornen Wissenschaften wurdenwiedergefunden und schnell verbreitet; die zahllosen Mißbräuchein der christlichen Kirche erkannt; das schwelgerische, unzüchtigeund ruchlose Leben vieler Geistlichen verabscheut; die Herrsch-sucht der Päpste von den Fürsten muthiger bekämpft. ESentstand ein Eifer zur Wiederherstellung des Christenthums,wie es in seinen ersten Zeiten beschaffen gewesen. Darüber er-
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