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hoben sich schreckliche Entzweiungen, je nachdem die Menschenhellere oder dunklere Begriffe vom wahren Christenthum be-saßen. Gleich wie schon in frühern Zeiten die morgenländifcheChristenheit sich von der abendländischen kirchlich getrennt hatte,so spaltete und. zerriß nun wieder die abendländische Kirche.Es entstanden neue Kirchen und Religionsgesellschaften, die sichunter einander mit Erbitterung haßten, weil jede die andere-es Irrthums und der Gottlosigkeit zieh. Die Länder wurdenDarüber von langen Kriegen verwüstet uns elend. Aber alleKirchen, alte wie neue, behaupteten sich mit dem Schwert.Nur die Macht der Päpste über die Welt und das unmäßigeAnsehen der Geistlichen verlor dabei. Die Fürsten erweitertenHegen dieselben ihre Gewalt. In vielen Ländern war die Kirche:nur eine dienstbare Anstalt der Staatsklugheit, die ReligionEin Leitzaum des Volkes in der Hand der herrschsüchligenMonarchen. Aus dem vormaligen, entsetzlichen Glaubenshaffeward, nachdem man das Abscheuliche desselben erkannte, eineEalte Gleichgültigkeit gegen jeden Glauben und jede Kirche.Diese Gleichgültigkeit verlor sich zuletzt selbst oft in VerspottungDer christlichen Religion, in Unglauben und wahnsinnige Gottes-Zäugnerei.
Dies war der Gang des Christenthums seit seinem Ent-gehen in der Welt. Doch mitten unter allen Verirrungen undAusschweifungen blieb, zerstreut in den verschiedenen LändernAnd in allen Kirchen, eine fromme Schaar, welche, weniger-bekümmert um Nebendinge, um Parteiungen und Kirchen-ffatzungen, nur dem Einen nachtrachkete, was ewig wohlthut.Diese bewahrte daS Wort Jesu, das Gebot der Liebe, rein und-treu im Herzen. Diese sah nicht auf äußerliche Formen, undsuchte das Reich Gottes nicht in Außendingen, sondern da,wo es allein vorhanden sein kann, in uns. Ihre Hauptlehrebleibt zu jeder Zeit jene Mahnung der heiligen Schrift: Lassetuns forschen und suchen unser Wesen, und unszum Herrn bekehren! (Klagelied 3, 40.)
Und welches ist nun endlich der Zustand der christlichenReligion in unsern gegenwärtigen Tagen? Ist der Anblick