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nunft sich selbst widersprechen und aufheben. Eben weil ichein vernünftiges Wesen bin, muß ich an die Unsterblichkeitdes Geistes denken; ich bin durch mein Wesen unwiderstehlichzum Glauben gezwungen. Ohne diesen Glauben würdeAlle- in mir Wahnsinn werden und sein. So hängt meinGeist mit der Ewigkeit zusammen, und doch erkennt er wederdurch die Vernunft die Ewigkeit, noch ist sie ihm durch die Er-fahrung gegeben.
Aus diesen Beispielen leuchtet hervor, daß es Gegenständegibt, welche übersinnlicher Natur sind, die wir nicht mit derVernunft erkennen, und dennoch durch die Vernunft unwider-stehlich gezwungen werden, als gewiß und unwidersprechlichwahr anzunehmen; es leuchtet aus diesen Beispielen hervor, daßder Glaube hoch erhaben über die Vernunft hinausgeht, undihr selber erst Festigkeit, Stärke, Einklang und Frieden insich verleiht. Es ist demnach übermäßige Verehrung der Ver-nunft, wenn wir durch sie erkennen wollen, was für sie un-erkennbar sein muß bei gegenwärtiger Beschränktheit; oder Allesverwerfen wollen, waS sie nach ihren Gesetzen nicht als innereGewißheit wahrnimmt. Dies ist Mißbrauch der Vernunft,Einseitigkeit und GristeSgebrechen.
Und doch hat es an Verirrungen dieser Art zumal bei den-jenigen nicht gefehlt, welche als Weltwelse durch Zweifel zurletzten Wahrheit gelangen, und die Vernunft zur höchstenSchiedsrichtern im All des Wissens und Erkennen- und Fürswahrhaltcns machen wollten. So dürfen wir nicht erstaunen,. daß es Menschen gab, welche jedes Wunderhafte im LebenJesu Christi nicht begriffen. Sie begriffen es aber nicht, weilsie die Natur und das Wesen der Dinge an sich und das Wirkendes Göttlichen im Leben der Erscheinungen noch viel zu wenigkannten. Sie wollten sehen, um zu glauben, wie Thomas.Aber seliger sind, die da nicht sehen, und doch glauben. Sodürfen wir nicht erstaunen, daß eS Menschen gab, welche dasGöttliche in Jesu Christo durchaus nicht begriffen. Daß Gottgroß und herrlich, verhüllt im Schleier seiner Schöpfungen,wirke, war ihnen begreiflich; nicht aber, daß er groß und herrlich