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sind von Gott die Gaben unter den Sterblichen vertheilt. NichtEiner und nicht Einzelne h-abrn die gesammte Summe derTalente und Einsichten aller Menschen, noch weniger über-treffen sie darin Alle. Gleichwie der Fürst in Zeiten der Ge-fahr die Strritkräfte des ganzen Landes zu dessen Vertheidigungin Anspruch nimmt, weil nicht Einer oder Einzelne die KraftAller haben oder übertreffen: so muß er auch die Einsichten derganzen Nation zur Veredlung des Ganzen in Anspruch nehmen.Dazu gehört, daß er die Denkftriheit nicht nur nicht beschränktund schwächt, sondern befördert; und daß er die GedankenAller vernehme, um die vsrtrefflichsten kennen zu lernen undauszuwählen. Folglich ist zur Erhaltung, Lebensvermehrung,Krastbereicherunz und Veredlung des Staats freie Mittheilungder Gedanken, durch Rede, Schrift und Druck, unentbehrlich.
Nimmt des Menschen Vernunft und Verstand die Richtungallein hinab in das Irdische, auf das Sinnlichbequeme, Nütz-liche, Angenehme: so ist der Mensch nichts als das klügste,aber auch das furchtbarste unter den Thieren. WaS er schafft,bleibt unvollkommen und hinfällig, wie alles Irdische. Er istauf einem ihm fremden Schauplatz, in einer ihm unwürdigenGesellschaft, nämlich mit den Thieren der Erde, von denen erfreilich das vornehmste ist. Erst durch die Religion, durch denGedankrn von der Gottheit, Ewigkeit und Heiligkeit tritt derGeist des Sterblichen in die Reihe höherer Naturen, wird ihmder Schöpfer der Unendlichkeit zum Vater, das ganze Weltallzur Heimath, die Ewigkeit zur Laufbahn, die Gottähnlichkeitzum letzten aller Ziele; und was er wirkt, ist nicht auf eineSpanne Zeit, nicht auf Jahrhunderte, sondern für ein endlosesDasein berechnet. Die Religion ist die Verknüpfung der Mensch-heit mit der Gottheit; ist dem Geiste, was er selber dem LeibeIst, der ihn umhüllt. Wie er gleichsam der Gott in seinemKörper ist, so ist die Religion Gott im Geiste, das Höchste, dasVerklärende, das Beseelende.
Ist nun der Geist des Volkes das Letzte und Höchste imStaat, wodurch der Staat selbst entstand, und seine größereoder geringere Vollendung empfing; und ist die Religion hin-