Schwüre zu brechen, sobald sie davon einen Nutzen erwartenkonnten, sahen sie es gern, wenn den Unterthanen der Eidreligiös feierlich gemacht wurde. Oder sobald ein Krieg geführtwerden sollte, welchen Herrschsucht, Ehrgeiz, Rache und Länder-geiz wünschten, schien es ein bequemes Mittel, das Volk dafürund zu großen Opfern zu begeistern, indem man den halb ent-schlafenen Religionshaß wieder erweckte und reizte, oder in denKirchen um den Sieg gegen die Feinde zum Gott der Heer-schaaren beten ließ.
Hier war der Gipfel neuer Verkehrtheit und Ruchlosigkeit.Der Mensch fiel von Gott, von der Natur und von seinereigenen Vernunft ab. Selbst der Aberglaube ist ehrwürdiger, alsder Unglaube. Denn jener sucht noch das Höchste der Mensch-heit, das Göttliche über sich, wenn gleich aus Unwissenheitauf falschen Wegen. Er folgt noch, wenn gleich mit blinderSelbsttäuschung, der Sehnsucht seines Gemüthes, diesem er-habensten aller menschlichen Naturtriebe, das Räthsel des Da-seins , des Weltganzen, des Allerherrlichsten zu lösen. Der Un-glaube aber erstickt die schönsten Begierden seiner Vernunft, undthut Verzicht auf der Menschheit bestes Theil; sieht in ihr schonden Kreis der Schöpfungswunder abgeschlossen, und in derverfeinerten Thierheit das Allerhöchste der Bestimmung und desLebens der Sterblichen.
Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande,daß sie bei mir wohnen, und habe gern frommeDiener. (Ps. 101, 6.) So sang der königliche Psalmen-sänger David, jener geistvolle Fürst, welcher eine tiefgesunkeneNation wieder erhob, aus ihrem Verfall durch weise Anstaltenherstellte, durch Siege über die benachbarten Völker Asienswieder achtbar machte, und mit seinem Ruhm die nachfolgendenJahrhunderte überstrahlte. Er war groß, weil er die Kunst zuregieren verstand; weil er, selbst durchdrungen von Ehrfurchtund Liebe für das Göttliche, die Religion zur Leiterin seinesSinnes in öffentlichen Geschäften, und den Staat zu einerFrucht der Religiosität machte. So wenig, als bloße Klugheit,List , Verschmitztheit oder Gelehrsamkeit einem einzelnen Men-