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Höfen viel Gleichgültigkeit gegen die Glieder des geistlicheStandes, auch Gleichgültigkeit gegen Alles eintrat, was Reli-gion hieß. Man verabscheute den vormaligen Glaubenseifer derFürsten; hielt ihn für Unklugheit; wähnte sich weiser und auf-gcktärtcr, als sie; rechnete es sich vielmehr zum Ruhm, diesesEifers zu spotten, über die Priest« schuft und ihren Beruf zuscherzen, die Diener des Altars für Diener ehrwürdiger Bor-urtheile, für gutmüthige, unwissende Schwärmer oder schlaueHeuchler, und-die Religion für einen zum Vortheil der Priestererfundenen Aberglauben finsterer Zeitalter zu halten. Doch mankannte die Schwierigkeit, solchen vermeinten Aberglauben mitseiner vieltaüsendjährigen Wurzel auszurotten. Auch war mannicht dazu geneigt, sich deswegen große Mühe zu geben. Manwar zufrieden, daß die Religion an sich etwas sehr Unschädlicheswar. Ja, man fand sie sogar für den Staat sehr nützlich,wenn sie als eine Gehilfin der bürgerlichen Gesetze erschien, oderwenn sie die Unterthanen aus Furcht vor den Höllenstrafcn inGehorsam erhielt, und sie bei alifällig drückenden Abgaben bessertröstete, als schmeichelndes Ausschreiben des Landeeherrn.
So ward an mehr als einem Hofe die Religion Jesu Christibetrachtet, größtenthcils durch die Unvorsichtigkeit, Leidenschaft-lichkeit oder Verachtlichkeit Lerer, welche sie den F nsten hättenliebenswürdig machen sollen. Das Herrlichste des menschlichenGeistes, worin allein sein höchster Adel ruht, ward Gegenstandspottenden Witzes, und den Führern des Staats nur in so ferneiniger Achtung würdig, als man es zum Leitzaum des Volkesgebrauchen konnte. Man sah ein, es sei sehr nützlich, wenn inden Kirchen Gebete für das Wohlsein des Regenten und seinesHauses gehalten würden. Man glaubte obrigkeitlichen Befehlenbei der öffentlichen Bekanntmachung mehr Eindruck zu verschaf-fen, wenn man zuweilen dieselben mit religiösen Ausdrückenschmückte. Während in der so geheißenen vornehmen Welt Treuuns Glauben vor den Feinheiten und Ränken der Staaleklug-hcit verschwanden, wäre es höchst gefährlich gewesen, ähnlicheGrundsätze bei den Unterthanen vorwaltend werden zu lassen.Obgleich die Großen kein Bedenken trugen, Verträge und