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Jesu Verdienst und Lehre, den Geist und daS Verhältniß derKindschaft zu Gott empfangen haben; ob das höchste aller christ-lichen Gebote die Liebe sei; ob wir uns nur durch frommen,tugendhaften Wandel Gott ähnlicher und der Gnade des himm-lischen Vaters würdiger machen können; ob wir nach diesem Lebenein anderes Dasein zu erwarten haben, in welchem wir diejenigeStelle cinnebmen werden, zu der uns unser durch Jesu Geisterworbener Werth fähig macht. — Nein, aber gestritten wardüber Anzahl und Gebrauch und Bedeutung gewisser äußerlicherReligionshandlungen; über die Rechlsame der Priestcrschaft;über die Art und Weise kirchlicher GotteLverchrung; über denWerth der priesterlichen Ehelosigkeit und des klösterlichen Lebens;über viele an sich noch weniger mit der eigentlichen Religion Jesuverknüpfte Dinge. Dann Menschenwahrheit und Menschen-meinung ist ungleichen Werthes, ist wandelbar, leidet mancherleiAnsichten und kann oft, mißverstanden, Anlaß zu Entzweiungengeben. Aber göttliche Wahrheit, gegeben zum Heil allerMenschen, wird in allen Zeiten, in allen Weltgegenden, unddurch sich selbst allen Menschen einleuchtend, überzeugend, wohl-thuend sein, so lange die Menschen noch Menschen, das deisit,von Gott mit Vernunft begabte Wesen sind.
In den Kriegen der Christen um ihre Kirchrnlehren gewannalso die wahre Religion nichts. Vielmehr lief sie in den Herzender Menschen Gefahr, durch die Wildheit erweichter Leiden,schaften verdunkelter zu werden, als sie jemals war. Denn wieverträgt sich Glaubenshaß und Brudermord mit der Kindschaftzum ewigen Vater Aller, mit dem höchsten Gebote der Liebe, mitdem Geiste Jesu, des göttlichen Erbarmers, und mit den Er-wartungen einer seligen Ewigkeit! Die Menschen wurden imAllgemeinen durch solche Kriege nicht christlicher,'nicht liebevoller,duldsamer und tugendhafter, sondern roher, verwilderter, hart-herziger, unverträglicher. Jede Partei ward in ihrer Meinungstcifsinniger, unnachgiebiger, stolzer; hielt ihre Art des Gottes-dienstes für die vortrefflichste, ihre Einrichtung für die zweck-mäßigste, ihre Kirche für die alleinseligmachende, jede andere fürein Gebäude des Irrthums und wohl gar der Gottlosigkeit.