Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
490
Einzelbild herunterladen
 

490

Zusammenhang mit der Gerechtigkeit oder Güte dessen finden,ohne dessen Willen doch kein Sperling vom Dache fallen soll,und der alle Haare unsers Hauptes gezählt hat?

Ich erschrecke tief in meinem Innersten. Wohl manchesverzagende Herz fühlte, was ich in den schmerzvollsten Stundenmeines Daseins empfunden habe, und manches weinende Augesah fragend zum Himmel auf: Warum das? Welcher heil-same Zweck kann zu solchem Leiden vorhanden sein? Wieviel Menschen haben jenen Heldenmuth der Zuversicht, daß sieaus der Fülle ihres Leidens mit Paulus sprechen mögen:Werwill uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angstund Verfolgung? oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit,ober Schwert? (Röm. 8, 35.)

Allerdings habe ich im Leben oftmals schon erfahren, daßPersonen, welche dgs traurige Loos, so ihnen durch Kriegs-schicksale oder andere Verumständungen zugeworfen ward, nichtmit ihrer Vorstellung von der göttlichen Vorsehung und Liebevereinigen konnten; daß sie lange trostlos waren, lange murrtenund verzweifelten bis sie plötzlich schwiegen, als sei ihnen un-erwartet ein verborgenes Licht aufgegangen. Ich habe erfahren,daß sie plötzlich das Wohlthätige ih-rer Schmerzen oder des fremdenLeidens erkannten, und ihnen ward, als riefe aus dem Dunkelder Umstände eine Stimme: Seid stille, und erkennet,daß ich Gott bin! (Ps. 46, 11.) Allein nicht Allen wardam Ende über Alles solch ein Aufschluß zu Theil.

Inzwischen ist Eins gewiß, und dies beruhigt mich beimAnblick so mancherlei auch unverschuldeten menschlichen Elendes,welches besonders Kn'ege herbeiführen; dies ist: körperlicheSchmerzen und überhaupt irdische Leiden haben' keineswegs jederzeit einen irdischen Nutzen undZweck, sondern zuverlässig einen weit höhern.

Sagt nicht schon das gemeine Sprichwort: Schadenmacht klug? Also auch gewöhnliche und dem Anscheine nachbedeutungslose Unfälle im Leben, wir mögen dieselben durcheigene Schuld oder ohne unser Verschulden erleiden, haben ihrenwerthvollen Bezug auf den Geist. Sie machen uns vorsichtiger,