Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
478
Einzelbild herunterladen
 

zcihlich. Ein kluges, besonnenes Nachgeben der Herrschaftenin billigen Dingen würde viele der nachmaligen Gräuel ver-hütet haben. In der That erfuhr man in allen denjenigenGegenden nichts von Empörungen, wo die unbeglückttn Volks-kiassen menschlicher gehalten waren. Doch der Sinn der we-nigsten geistlichen und weltlichen Gebieter vertrug sich mit denForderungen der bisherigen Unterdrückten. Daher horchtendiese um so lieber auf die Eingebungen wilder Schwärmer,welche die Erlösung des menschlichen Geschlechts durch Jesumvon der Gewalt der Sünde und Laster zu einer Erlösungder Unterthanen von Gesetz und Gehorsam gegen Obrigkeitverkehren wollten. Es kam in verschiedenen Ländern zu fürch-terlichen Aufständen des gemeinen Volks gegen die Oberhcrrcn.Der wüthende Aufruhr griff schnell und weit um sich. Eswurden die unbarmherzigsten Thaten verübt. Städte, Schlösser,Dörfer, Klöster gingen in Rauch und Flammen auf. Es warein mehrjähriges Morden, Würgen, Verwüsten und Schändenjedes Heiligthums. Viele tausend Menschen kamen elendiglichum, Schuldige und Unschuldige. Ganze Orff-chaften wurdenvon Bewohnern leer. Nur mit ungeheuern Strömen Bluteswurden die Flammen dieses weit verbreiteten Aufruhrs wiedergelöscht, welche dennoch von Zeit zu Zeit bald in diesem,bald in jenem Lande immer von neuem wieder aus ihrer Aschehervorbrachen.

Daß sich mißhandelte, um ihre heiligsten Rechte verküm-merte Unterthanen und Knechte endlich gegen ihre tirannischcnHerren auflehnten, und in ihrer Verzweifelung das Abscheu-lichste trieben, ist in ältern und neuern Zeiten nichts Unerhörtesgewesen; besonders wenn dazu noch irgend ein äußerer, un-erwarteter Anlaß trat, welcher die Empörung begünstigte;oder irgend ein großer, in sich wahrer, aber falsch verstandenerGedanke die Gemüther erhitzte und irre leitete. Jene unter demNamen der Bauernkriege traurig berühmten Ereignisse sind alsowohl nicht als eine wirkliche Frucht der Kirchenveibesscrung,als eine Wirkung von der Abschaffung der in das Christenthumcinzrschlichcncn Irrthümer und abergläublgcn Meinungen an-