oder in Gott selbst. Aber noch drei- bis vierhundert Jahre langward dies bestritten, bezweifelt, widerlegt, bis es endlich, alsein Theil des christlichen Glaubens, anzunehmen geboten ward.In derselben Zeit ward auch die alte Lehre vom Opfer Jesu,des Messtas, mit Bestimmtheit dahin erklärt, daß Christus fürunsere Sünden genug gethan habe. Die Kirche spendete nundie Schätze himmlischer Gnaden.
Neben diesen Mitteln, nicht zur Vermehrung der Gottselig-keit und des aus Gort stammenden Lebens, sondern fachlicherGewalr und pricsterlichen Ansehens und Reichthums, verviel-fältigten sich die Feierlichkeiten der Krrchp und todten Andacht-übungen des häuslichen Lebens. Beim Gottesdienst selbst wardnur die allem Volke unverständliche lateinische Sprache erlaubt.So sank die Menge der Gläubigen in die tiefste Unwissenheitüber Zweck und Inhalt der heiligen Handlungen. Nichts bliebihr mehr zu denken übrig; dies wurde sogar für gefahrvollerklärt. Man erfand im Morgenlande den so geheißenen Rosen-kranz und führte ihn bei den Abendländern ein; man hatteallerlei Einrichtungen, um dadurch die Kirche oder vielmehrdie Pricsterschaft in das Geheimniß aller Familien einzusetzen.Nur dies mangelte ihr, um immerdar des Volks mächtig zubleiben und jeder weltlichen Obrigkeit überlegen zu sein. Blind-lings folgte nun mit Zittern der Pöbel, welcher in den PriesternBoten und Diener Gottes sah; und Könige und Fürsten ver-meinten seliger zu sterben, wenn sie sich mit einem Mönchsgewandangethan in den Sarg legen ließen.
Das Christenthum war fast ganz verschwunden ; das roheHeidenthum war wieder aufgethan und mit dem heiligsten allerNamen geschmückt. Geraubt war der Menschheit die froheKindheit zu Gott, dem Vater Aller; und statt der ihr von Jesuerworbenen kindlichen Freiheit war sie wieder in die Knechtschaftunter das Gesetz der Priesterschaft gethan. Ach, nur allzuwahrist des Apostels Wort geworden: „Welcher Menschen Verstandverfinstert ist, die find entfremdet von dem Leben, das aus Gottist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, und durch die Blind-heit ihres Herzens l"