wieder in weltliche Hä rde falle. Denn bald stellten sie daskirchliche Gebot auf: heiliges Gut sei unantastbar, und wer esan sich nehme, der ziehe den Zorn der Heiligen und den Fluchdes Himmels auf sich. Sie verknüpften mit dem Heiligendienstdie Pflichten reicher Opfer und Gaben. Sie führten die Sitteder Wallfahrten ein, stifteten den Schutzheiligen Feste, undertheilten an denselben Sündenvergebung.
In diesen Zeitaltern der Unwissenheit entstand neben derwachsenden Pracht kirchlicher Gerathe, Zierrathen und Priester-sicher Gewänder mancher neue Gebrauch, manche neue Lehre,von dcnen hie ersten Kirchen der Christenheit nie gewußt hatten,und rmmche Uebungen des Alterthums wurden dagegen verändertoder gänzlich abgeschafft. Das schuf den zahlreichen angestelltenGeistlichen neuen und beträchtlichen Zuwachs der Einkünfte.Ihr Ansehen stieg über die Maßen mit Zunahme der Unwissen-heit, und des von ihnen viel gepredigten blinden Glaubens undGehorsams. Auf diese Weise wurden sie abermals gleich denPriestern des alten Testaments, und wurden es in einer nochweit Hähern Bedeutung, indem sie ewige Seligkeit und ewigeVerdammniß austhei len, als wären sie der Gottheit selbstgleich.
Dergleichen Neuerungen und der alten Christenheit, nochmehr den Aposteln und Jesu Christo unbekannt gewesene Lehrendrängten sich jedoch nicht ohne Widerstand in die Kirche ein.Noch gab es einzelne fromme, und für ihre Zeit gelehrteMänner, die denselben heftig und mit den Worten der heiligenSchrift widersprachen. Noch achthundert Jahre nach ChristiGeburt ward von der Hälfte der christlichen Welt gegen dieVerehrung der Heiligenbilder geeifert, doch vergebens. Alsdiese errungen war, ernannten die Bischöfe in ihren Versamm-lungen diejenigen, welche in den Rang der Heiligen erhobenwerden sollten, und bald eignete sich der Papst, als einzigesOberhaupt der Kirche, das Recht zur Seligsprechung undHeiligung allein zu. Zwar schon achthundert Jahre nach ChristiGeburt trat ein Geistlicher auf und lehrte, daß im AbendmahlBrod und Wein in Fleisch und Blut Christi verwandelt werde.