«nd am Kaiserhofe die meisten Gönner hatte, nannte sich dieherrschende, und verdammte alle übrigen. Wer nun nicht denGlaubensvorschriften und Verordnungen dieser beipflichtete,ward aus der Gemeine verstoßen, wie ein Irrgläubiger undAbtrünniger. Die herrschende Kirchenpartei nahm den Titel deralleinwahren, der rechtgläubigen an; es ward bald Grundsatz,daß außer der wahren Kirche kein Heil zu erwarten, sondern siedie alleinseligmachende sei; und so ward von der einen Seite dieEinheit der katholischen oder allgemeinen Kirche festgestellt, vonder andern Seite eine ewige Trennung derselben von andernchristlichen Kirchen begründet, die sich nicht minder für recht-gläubig, wahr und alleinseligmachend ansahen.
Am meisten aber gewannen die christlichen Priester in An-sehen, Macht, Ehren und Reichthümern, sobald das Christen-thum die Religion des Staates geworden war. Ehemals hattendie Priester und Bischöfe unter sich keine große VerschiedenheitdeS Ranges genossen. Nur der Tugendhafteste oder Weiseste warder Ehrwürdigste unrer Allen gewesen. Nachher, da sich dieGemeinden der Christen an der Zahl mehrten, ward einer derPriester Aufseher oder Bischof über eine gewisse Zahl anderer.Diesem wurden anfangs gewisse Vorrechte ertheilt, um sein Amtmit Nachdruck verwalten zu können. Diejenigen, welche in großenund reichen Städten wohnten, hatten auch wohl ansehnlichereSteuern aus den Händen der Gläubigen zu erwarten. Bald abernahmen nun die Bischöfe größere Macht an sich; bald wurdensie in ihren Versammlungen die einzigen Gesetzgeber der Kirche;bald hörte selbst unter den Bischöfen die ehemalige Gleichheitauf, und Stolz der Geistlichen oder Schmeichelei der Untergebenenerfand für sie neue Ehrennamen. Man hörte nun nicht nur vonBischöfen, sondern auch von Erzbischöfen, welche ihre Hoheitüber andere Bischöfe ausdehnten ; nicht nur von Erzbischöfen,sondern auch von Patriarchen, welche über diese erhaben waren.So viele große Hauptstädte des Reichs, so viel Patriarchen derKirche gab es. Diese eigneten sich in kirchlichen Dingen Gesetz-gebung und Gerichtsbarkeit zu. Es entstand neben der weltlichenMacht eine geistliche Macht. Patriarchen sah man zu Jerusalem