Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

335

nicht zerstört war, den dortigen Tempel und die jüdischen Schulen,gleich andern Juden. Dabei traten sie noch in besondere Zu-sammenkünfte, wo sie sich durch Belehrung und Geber erquickten.Als aber die Juden alle Anhänger Jesu als Feinde des Staats,als Abtrünnige vom mosaischen Gefttz von sich ausstießen, alsvon der andern Seite auch die Heiden zum Christenthum über-traten, und zwar ihrer noch weit mehr als Juden : da fingendie Christen nothwendig an, eine sowohl von Juden als Heidengetrennte, besondere Glaubensgenossenschaft zu bilden. Da ent-stand das, was nachher eine Kirche genannt ward.

Wo eine genauere Verbindung der Gcmeindeglicder zu einerabgesonderten Religivnsgcsellschaft statt fand, mußte auch bald aufeine bestimmte Ordnung geachtet werden. So kamen neben denKirchen gebrauchen und heiligen Handlungen Kirchengesetze undVorschriften der Kirchenzucht auf. Sie entwickelten sich aberlangsam, eins ums andere, wie es die Umstände nöthig machten.Laßt Alles ehrbar und ordentlich zugehen! darauf drang derApostel bei den Korinthern hauptsächlich. In der reichen undxrachtliebenden Stadt Korinih fehlte es ohne Zweifel nicht anwohlhabenden Personen unter den Christen, welche die Prachtihres Hauses und die Kleidersitten des Tages auch in die Ver-sammlungen bei der Gottesverehrung mitbrachten und dadurchdie allgemeine Andacht stören mochten. Es galt noch damalsfür ehrbar, daß das Weib langes Haar trug, der Mann aberkurzabgeschnittenes; daß das Weib ihr Haupt einfach bedeckthielt, der Mann aber den Kopf entblößte. Paulus drang sehrernstlich auf Beobachtung dieser Anständigkeit. Darum soll dasWeib, sprach er (1. Kor. 11, 19), eine Macht (vermuthlichNamen einer damaligen Kopfbedeckung) auf dem Haupte haben,um der Engel willen (oder der Boten, vielleicht heidnischer Männerwillen, die sich der Weiber wegen in die Chrisienversammlungeneinschlichcn). Auch in siinem ersten Briefe an Timorheus (2, 9)forderte er die sittsame Bedeckung der Weiber, daß sie nicht mitZöpfen, oder Gold, oder Perlen, oder köstlichem Gewand kämen.In manchen Gemeinden lehrten nicht nur Männer, sondern auchWeiber nahmen das Wort in Versammlungen. Paulus erklärte