römischen Schaaren, bis der nachmalige Römerkaiser FlaviuöVespasianus mit überlegener Herresmacht anrückte, ganz Gaslliläa eroberte, und sich zuletzr gegen Jerusalem lagerte.
Jetzt ward die Noch groß. Aber ein Volk ohn: Tugend istein Volk ohne Kraft. Der alte Parteigrist der Juden vergingauch nicht unrer den Drohungen der furchtbarsten Gefahren vonAußen. Eine Partei m der belagerten Sladc haßte und ver-folgte die andere. Der Pöbel plünderte die Reichen, mordetedie Werfern. Die größten Grausamkeiten geschahen. Es schienJedem weniger daran zu liegen, ob r-as Vaterland gerettetwerde, als daran, ob er der Mächtigere fti unter Seines-gleichen, oder ob er es werden könne. Man sah nicht mehrauf die Sache, sondern nur auf die Person.
Da kam der Augenblick, welchen Christus warnend denSeiuigen angedeutet hatte: „Wenn ihr sehen werdet Jerusalembelagert mit einem Heere, so merket, daß herbeikommen istihre Verwüstung. Alsdann wer in Judäa ist, der fliehe aufdas Gebirge; und wer mitten darinnen ist, der weiche heraus^und wer auf dem Lande ist, der komme nicht hinein!" (Luk»21, 20. 21.) Die Bekcnner Jesu erinnerten sich des Wortes»Sämmtliche hatten vor Anfang der Belagerung der Stadt die-selbe verlassen, und sich nach Pella, einer cölesyrischen Stadt,weiland im halben Stamm Manasse gelegen, hingeflüchtet»Hier bildeten sie eine neue Gemeinde, und erwarteten mittFurcht und Zittern den Ausgang der Dinge.
Schlau benutzte der römische Heerführer Vespasian dieZwietracht und die Parteiwuth der Juden in Jerusalem. Erzog den gegen sie geführten Krieg absichtlich auf mehrere Jahrein die Länge. Er wollte erwarten, daß sich daS tugcnd- undzuchtlose Volk selbst in seinen Entzweiungen aufreibe, und zumUntergänge rüste. Er erreichte den Zweck. Als er zum Kaisererwählt ward, und das Herr seinem Sohn Tikus übergab, warJf.arl wie eine Frucht, die vom Baum fällt, zum letzten Ver-derben reif. Titus schloß Jerusalem enger ein. Die Schreckender Belagerung wuchsen, aber auch die Rasereien der unver-söhnlichen Parteien wider einander innerhalb der Stadt. Dem