und dessen Familie getauft hatte, von den Gläubigen zu Jerusalemdeswegen mit bittern Borwürfen überhäuft. Keine ganze Beredesamkeit hatte er nöthig, um sie mit dem Gedanken zu versöhnen,daß auch Heiden Nachfolger Jesu, des Messias, werden könnten;daß Gott nicht ansehe die Person, sondern in allerlei Volk ihmangenehm sei, wer ihn fürchtet und recht thut.
Sobald einmal dieser Schritt gethan war, die Lehre vomGekreuzigten über den engen Kreis des Judenthums hinaus zutragen: war der Anfang zur allgemeinsten Verbreitung desGotteslichts über alle Nationen des Erdballs vollbracht. Zugleicher Zeit geschah eine Begebenheit, die zu den folgenreichstenund wichtigsten in der ganzen Geschichte des Christenthumsgehört. Der Zweifler mag sagen : Hier war viel Zufall! Ichgebe es dir zu. Der Zufall ist die ewige Vorsehung Gottes beiden ungläubigen Halbwissern.
Ein junger Jude, der Sohn eines Pharisäers von Tarsenin Silieren, befand sich in Jerusalem, wo er bei Gamaliel dasRecht nach dem mosaischen Gesetze lernte. Der Jüngling hießSaul. Er besaß die herrlichsten Anlagen des Geistes, vielGemüthlichkeit, dabei neben einer lebendigen Einbildungskraftdurchdringenden Verstand. Gewandt und fein im Umgänge, vonvielseitigen Kenntnissen, richtigem Blick in Beurtheilung derMenschen, und von Geburt schon römischer Bürger, hatte derjunge Mann die bestimmte Aussicht, eine der glänzendsten Rollenbei seinem Volke zu spielen. Es fehlte ihm nicht an Ehrgeiz dazu.Das Wesen und die ungemein schnelle Vermehrung der Anhängerdes gekreuzigten Jesus von Nazareth waren damals das Gesprächvon ganz Jerusalem. Saul, Sohn eines Pharisäers, und inGrundsatz und Meinung der Pharisäer erzogen, hatte ihrenganzen Haß gegen diese Nazaräer, welche bald im Volke dieherrschende Partei und dadurch selbst dem altmosaischen Gesetzeund Gottesdienst gefährlich zu werden drohten. Mit den Lehrendieser sogenannten Nazaräer, wie man gern und verächtlich dieBkkenner Jesu Christi zu heißen anfing, konnte er nicht unbekanntsein. Die hohen und unwiderstehbaren Wahrheiten ihres Glau-bens, die Unschuld ihrer Sitten, die wunderbar zusammentreffenden