waren? Warum über Auslegung apostolischer Worte, die füruns dunkel wurden? Ist nicht Christum lieb haben, daSheißt im Leben und Thun sein Gebot halten, besser dennalles Wissen?
Aber nun stehen die verschiedenen Sckcen, Parteien undKirchen da! — Es ist vergebens, die Trennung der christ-lichen Gemeinden zu beklagen. Die Einfalt und Einheit desUr-Christenthums ist verloren. Läßt sie sich wieder her-stellen?
Es ist in allen Christen, in allen gutdenkenden Menschenwohl der schöne Wunsch, daß die, welche auf Jesu Namengetauft sind, eine einzige große Gemeinschaft über den Erd-ball bilden möchten; daß alle Christen sich als Bruder, alsLines Gottes Kind, als eines Meisters Schüler umarmenmöchten. Ost ist über die Vereinigung der Religionsparteiengesprochen, geschrieben worden; oft auch darüber, ob nicht,mit bloßer Berücksichtigung dessen, was Jesus von sich selbstgelehrt hat, und was aus dem Ur- Christenthum für unserZeitalter passend sein möchte, eine neue Kirche der Christen-heit, eine allgemeine gestiftet werden könnte, deren Lehr-begriff die vornehmsten Wahrheiten aller christlichen Religions-Parteien enthielte.
So löblich auch dieser Wunsch sein mag, und wie sehr erLas Herz dessen ehrt, der ihn hegt: ist doch seine Erfüllung niezu erwarten; denn obwohl die Wahrheiten, welche Jesus ge-lehrt hat, auf dem ganzen Erdball und von jeder Vernunft alsHeilige Wahrheiten anerkannt werden: sind doch die Gemuths-Ligenschasten einzelner Menschen und ganzer Völker immerdarVerschieden, folglich auch ihre Vorstellungen von göttlichenDingen. Der sinnliche Mensch verlangt mehr Feierlichkeit undGlanz in den Kirchen, um zur Andacht erweckt zu werden; dergeistigere verwirft die kalte, todte Pracht, und will nichts, alsdas Geistige. Ein Vo.k ist mehr für Einfalt in Allem ; einanderes mehr für Gepränge und Festlichkeit. Ein Volk hatregere Embildungekraft, lebhafteres Gefühl; ein anderes istkälter, ernster, denk.nder. So wird nothwendig jeder Mensch,