Wandel, von seiner Wunderkraft. Doch nicht eigentlich, waSseine Person und Natur anging, sondern seine Lehre und Hin-weisung zum Vater, das Ablegen der Sünde, ein heiliger ge-rechter Wandel, ein Leben mit und in Jesu, war der Haupt-gegenstand der ersten Christen.
Aber wie anders ist nach diesem bald Alles geworden! Zumzweitenmal ward gleichsam das Paradies verloren.
Wie sich die christliche Gemeinde aus bekehrten Heiden undJuden vergrößerte, brachten dieselben allerlei Vorstellungen,die sie früher im Heiden - und Judenthume gehabt, mit in dasChristenthum hinein. Dadurch verlor sich die alte Einfachheitder Christuslehre, welche sonst, ohne alle Gelehrsamkeit, auchder gemeine Mann, auch das Kind klar auffassen konnte. Manbrachte Spitzfindigkeiten hervor und erfand neue Namen undLehrgebäude. Einer lehrte von Jesu so, der Andere anders.Einige hingen diesem, Andere einem andern Lehrer an. Umsonstermähnte schon Paulus: Rühme sich Niemand eines Menschen!Es sei Paulus oder Apollos, es sei Kephas oder die Welt!(1. Kor. 3, 31.) Umsonst hatte schon Jesus, der Herr, ge-warnt: Nicht die mich für dies oder jenes halten, nicht diemich Herr, Herr! nennen, sondern die den Willen thunmeines Vaters im Himmel, die allein werden in dasHimmelreich kommen. (Match. 7, 21.)
Bald nach dem Tode der ersten Jünger Jesu vermehrte sichdie Zwietracht der Menschen, — nicht um die Lehre Jesu, wieer sie oft in seinen Predigten vorgetragen, sondern um die Be-schaffenheit seiner Person. Wäre dies aber die Hauptsache desgöttlichen Willens gewesen, .den zu verkünden der Erlöser ge-kommen : würde er nicht selbst dafür so gesorgt haben, daßdarüber kein Streit entstehen konnte? — Summen nicht nochalle christliche Neligionsparteien und Kirchen heutiges Tages inder Hauptwahrheit des Glaubens und der Tugendlehre desMessias überein, wie er gelehrt hat? Warum Haffen sie sichwegen verschiedener Meinungen über Dinge, worüber Sterblichevergebens forschen? Warum über den Unterschied der Kirchen-gebrauche, die zur Zeit Jesu Christi noch nicht vorhanden