jedes Vo!k andere Wünsche, andere Begriffe zur Kirche bringen.So wird sich aus der Natur der Sterblichen immer wieder neueMannigfaltigkeit entwickeln. Ihr werdet das Kind nicht denken,nicht empfinden lehren, wie den Greis. Anders liebt und ehrtder Mündige, anders der Unmündige den Vater oder dieMutter. Beide können die gleichen Aeltern, die gleiche Liebehaben; aber beide drücken ihre Gedanken und Gefühle verschiedenaus. Es soll also sein. Es war des Schöpfers Wille. Ausdieser Mannigfaltigkeit steigt das Leben thätiger, wunderbarerund lehrreicher empor.
Die allgemeine Vereinigung aller Reli»gions-Parteien zu einer gemeinschaftlichen Kirchebleibtdaher unausführbar. Sie zu versuchen, zeugt nur vondem Mangel an Welt-- und Menschenkenntniß derer, welchedazu die Hand bieten möchten. Und wenn das Unmöglichegelänge, so würde nach einigen Jahren neue Trennung unterden Gliedern der gemeinschaftlichen Kirche entstehen. —> Gleichtdas Antlitz und die Gestalt einer Blume, eines Thiers, einesMenschen dem andern? Gleicht die Erkenntniß und das Ge-müth eines Sterblichen dem andern? Ja, ist jeder Menschsich also selbst gleich, daß er heute noch ist, wie er vor Jahrengewesm?
Ein guter Vater zürnet nicht, wenn seine Kinder, die ver-schiedenen Geschlechts, verschiedenen Alters, verschiedener An-lagen sind, ihm ihre Zuneigung, ihren Gehorsam, ihre Ehr-furcht nicht alle auf einerlei Art bezeugen. Aber er zürnet, wennsie ihm Zuneigung, Ehrfurcht und Gehorsam verweigern. Soist die verschiedene Erkenntniß von Gott und Jesu, oder diemannigfaltige Ansicht unergründlicher Geheimnisse, keine Sünde;es ist die verschiedene Art der Anbetung und Verehrung Gottes,die mannigfaltige Weise des Gehorsams, kein Verbrechen. AberSünde ist es, wenn wir aufhören Gottes Größe zu verehren,wenn wir, statt die Gebote des Herrn zu erfüllen, nur nachunserer Klugheit handeln, und den Eingebungen niedriger Lustgehorchen.