man lügt, schmeichelt, betrügt schwelgt, verführt, verschwendet,spielt — kann nur die äußere Ehrbarkeit behauptet werden, soist an allem Uebrigen nichts gelegen. O welch ein Christenthum!War dies das Christenthum der ersten Zeiten nach Jesu? Welcheine Religion, die einsam und ohne allen Zusammenhang mitdem Leben für sich dastehet, wie ein Gedächtnißwerk oder eineAngewöhnung, die weiter nichts bedeutet!
Hier wandeln Christen! Christen wollen sie heißen und sein.Mit Recht wenden sie sich hinweg von jenen Verächtern allesGlaubens, und weg von diesen lauen Uebungs- und Tagewerks-christen. Denn ihnen ist das Christenthum mehr, als ein an-genommener, ehrbarer oder wegen des Himmels nützlicher Brauch»Bei ihnen steht die Religion nicht abgerissen vom Leben, undohne Einfluß da. Sie ist ihnen Alles, ihr täglicher Gedanke»Ihr Thun und Lassen wird darnach geordnet. Sie versammelnsich zu einander, um von himmlischen Dingen zu reden; siewachen mit Strenge über christliche Sittenzucht. — Sind hierdie Nachfolger der ersten Christen? Glänzt hier der Glaube iirseiner alten Einfalt? — Warum schmählen sie die, welche nicht.zu ihrer Gemeinschaft gehören; und warum verdammen sie alsVerlorne Schafe und thörichte Wcltkinder diejenigen, welcheeiner andern Ueberzeugung sind? Sprach Christus nicht: Orichtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet! Warum sprechen sievon Wundern und Weissagungen, dem nahen Ende der Welt-,der Ankunft des Herrn in diesem oder jenem Jahre? Hat ihnenGott offenbart, was das Geheimniß seiner ewigen Rathschlüsseist? Warunr reden sie täglich von den Wunden des Lammes,oder dem Verdienst Jesu, oder von der Wiedergeburt, odervon der Gnadenwahl und den Wirkungen der Gnade? Oderwarum sprechen sie von den Wundern der Heiligen, und träumenvon Zeichen, die Gott thue; brüten über Geheimnisse, dieKeiner zu ergründen vermag, weil der Herr sie verborgen hältseit Anbeginn? (Apost. Gesch. 1, ?.) Ist dies Christussinn,war dies der Inhalt seiner himmlischen Lehren, wenn er vomBerge herab zum Volke predigte, oder in der Einsamkeit zuseinen Jüngern? — Nein! Wer an mich glaubet, sprach er.