Altare ward das Bündnis ihrer Ehe gesegnet. Und sie selberspotten nun der Taufe und des Altars; gestatten höchstens derenNützlichkeit, als eine bürgerliche Handlung zu guter öffentlicherOrdnung für jeden Stand. Sie nennen die, welche mit An-dacht den Gottesdienst feiern, Heuchler oder Abergläubige oderSchmeichler; die Religion einen wohlthätigen Zaum für denPöbel. Die Ewigkeit ist ihnen noch ein Satz, der zu beweisenwäre, Gott selber ein Räthsel, das man lösen müsse. In Ge-sellschaft sittenlos witzeln, die Unschuld erröthen machen, Fehlerdes Nachbarn schadenlustig ans Licht ziehen, seine Schwächenins Lächerliche darstellen, heißt ihnen guter Ton. Aber das Er-habenste der Welt zu nennen — der Name Jesu Christi, einWort von der Gottheit, erregt ihre Schamhaftigkeit, und ihrBlick bittet: Zählet mich nicht zu den Albernen oder zum ge-meinen Haufen. Lebensklugheit, schlaue Bevrchnunz der Um-stände, die Kunst der Ucberlistung, und zu scheinen, waS mannicht sein kann, das gilt ihnen als Ersatz für die abgeworfeneReligiosität. Eigener Vortheil ist ihr Gott; Genuß ihr höchstes
Gut; die Beute des Augenblicks ihre Ewigkeit.-Wie,
auch diese tragen Christi Namen? Nein, in ihnen ist desGöttlichen Geist nicht. Worin sind sie verschieden von denHeiven, die keinen Erlöser vom großen Irrthum kannten?Hinweg von diesen! Sie nennen sich aufgeklärt, und können dasAuge nrcht zur Sonne wenden. Sie buhlen mit dem Staube; sieleben im Todten. Das Hochmenschliche ist ihrer Brust fremd.
Hier wandeln Christen. Christen wollen sie heißen. Siewürden zürnen, wenn du zweifeltest, ob sie wären, was siesagen. Denn sie beten und singen heilige Sachen. Gern haltensie ihre Kinder zum Christenthum. Sie verachten die Religions-svötter, und scheuen sich, zu sitzen, wo sie sitzen. Sie lesen inMußestunden gern fromme Schriften zur eigenen Erbauung,und reden auch im Kreise ernster Freunde zuweilen und nie offneEhrfurcht von dem, was heilig ist.-Aber wo ist der Chri-
stussinn in den Thaten ihres alltäglichen Lebens? Wehe, siehaben Religion ohne Religiosität; einen Glauben ohne Serie;eine Lampe, gleich den thörichten Jungfrauen, ohne Oel und