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konnte an das Irdische nicht einmal das Reinsittliche desmenschlichen Wesens binden ; darum war ihr die Tugend nureine höhere Stufe von Lebensklughcit, die bloß irdische Zweckehat, Belohnungen begehrte, wie die gemeine Klugheit. Ehre,Vaterlandsrrchm, Unsterblichkeit des Andenkens bei der Nach-welt — das war das erhabenste Ziel tugendhafter Anstrengungenbei den Weisesten der Heiden.
Ganz anders war die Gottesweisheit Jesu. Hier ging nichtsvon der todten Natur, Alles vom lebendigen Gott des Weltallsaus, dem Urquell des Lichts und der Liebe. Darum wird Allesgöttlich, und die Tugend und die Sehnsucht des Geistes erklär-lich nach dem Ueberirdischen. Dadurch ward Leben und Ewig-keit Eins, und das Ewige und Bleibende das Höchste; dasWandelbare aber in Natur und Schicksal gering und klein,und das gepriesenste Erdengut, Ehre, Schönheit, Reichthum,Gewalt, unbedeutend. Dadurch ward Alles vergöttlicht; selbstdie ganze Natur verklärt, enträthselt; Gott in Allem, Allesin Gott, von diesem Erdenstern hinweg über alle Weltenund Sonnen der unendlichen Himmel bis in das Undenkbaredes Ewigen, Alles ein Wohnhaus Gottes, ein Tempel derGeister.
Ja, Jesus mußte den Jüngern nun erst in stillen Selbst-betrachtungen als der Göttliche aus Gott, als das Licht vomLichte, als das Leben aus dem Lebendigen und Allbelebendenerscheinen! Das war er, das wollte er ihnen und der gesammtenMenschheit sein. Das war die hohe, messtanische Würde, dieihm gebührte. Die Beilegung der Welt und alles Todten, dieHeimführung der zum ewigen Leben berufenen Geister ins ewigeSein zum lebendigen Gott, die Verklärung der Geister durchdie höchsten, uneigennützigen, von den Gütern der Erde un-abhängigen Tugenden (also die reinste Vollendung der mosaischenPflichtenlehren), das war das von ihm zu stiftende Gottesreichauf Erden.
So verstanden nun die Jünger des Herrn den Herrn.Dennoch, weil auch Er Mosen und die Propheten geehrt hatte,weil er ihre Sprache gleichsam zur Grundlage seiner höher«