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Sind sie nicht oft die Ursachen weit größern Verdrusses und tiefererReue, als es der ruhige ArLeitsgang ist?
Du hast schon den Genuß seelerhebender Betrachtung in derEinsamkeit empfunden; du fühltest dich nach ihr wie neu geboren;edler als sonst, heiterer, menschenfreundlicher, frömmer, glück-licher als sonst. Siehe, das sind die reinen Freuden! Wiekommt es doch, daß du sie immer noch nicht recht von den un-reinen, gemischten Freuden unterscheiden kannst, die dich beimSpie! und Tanz, beim Genusse starker Getränke in wildfröhlichcnGesellschaften erwarten? Bist du in dieser Lebensart auch nurum eine Stufe höher als das Thier, welches ebenfalls arbeitetund dann seinen höchsten Genuß im Fressen und Saufen, Nichts-thun und Nichtsdenken findet? Lebst du nicht oft, als wenndeine Vernunft dir das Entbehrlichste und Lästigste wäre, wasdir der Schöpfer verliehen hat? In der Woche und bei der Arbeitist nur Gelderwerb, Erwerbung von Lobsprüchen, Gedanke anZank und Streit, Kummer um Künftiges, Essen, Trinken,Schlafen der Umgang deines Thuns und Lassens. Und Sonntags?und in freien Stunden der Geschäftslosigkeit? — O, wie nurallzuoft wird da die Vernunft wieder mir Dingen anderer Artbetäubt, berauscht und gelähmt!
So streicht die Lebenszeit vorbei. Man hat gesorgt, gearbeitet,geruht, sich belustigt, und nur höchst selten wahrhaft gelebt.Der Geist kam höchst selten zum Bewußtsein von sich selber. Dieletzte Stunde erscheint. Man sagt dir, dein Geist sei unsterblich,er lebe ewig. Aber du weißt nicht einmal, was wahres Lebenist. Dein Geist erhielt höchst selten das Bewußtsein des reinenLebens. Was soll aus dem Geiste werden, und was heißt Leben,wenn nicht mehr gearbeitet, gesorgt, gegessen, getrunken wird, undalles bisherige Thun mit dem modernden Leichnam hinwegfällt?
So tief ist der große Haufe der Christen heutiges Tages ge-sunken , daß er vom Leben seines Geistes in Gott und göttlichenDingen beinahe nichts weiß, und vom Leben der Ewigkeit dieallerrohesten, armseligsten und wahrhaft heidnischen Vorstellungenhat. Er kennt nichts Besseres in dieser Welt, als Nichtsthun,Neichsein, Essen, Trinken, Tanz und Musik. So träumt er sich