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Nicht selten ist Zwcifelsucht eben so sehr eine Folge wirk,licher Verstandesschwäche, als Vermcssenheit eines starken Per-,standes. Wer das Bewußtsein des Scharfsinnes und seinerUrtheilskraft hat, wird durch solches Bewußtsein gar leicht zustolzen Anmaßungen verleitet, Alles zu verwerfen, was ihmnicht sogleich als wahr einleuchtet. Start die Ursachen der Dun-kelheit in einer irrigen Nebenvorstellung aufzusuchen, die er vondiesem oder jenem Gegenstand der Religion hatte, wirft er dieSchuld auf die von ihm mißverstandenen Lehrer. Er nimmtnichts als ausgemachte Wahrheit an; gewöhnt sich, in Allemeben so viel Gründe wider als für aufzubringen, und stehtdann, wenn das Gewicht auf beiden Seiten gleich zu sein scheint,unentschlossen zwischen beiden. Das ist die verwegene irrige-Einbildung der thörichten Weisheit, wenn sie, die an Allemzweifelt, doch glaubt: es seien keine Gründe für und wider'mehr vorhanden, wenn sie keine mehr zu erfinden weiß.
Die unselige Gewöhnung, zu Allem eben so viel Gründefür als wider, und umgekehrt eben so viel wider als für, auf-zutreiben, ist der Tod aller richtigen Erkenntniß, aller Wahr-heit, aller Gcmüthsruhe. Im gemeinen Leben, wie im innernreligiösen Sinn, entspringt daraus Wankelmuth und Unent---schlossenheir. Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen..(Jak. 1, 8.) Es ist schwer, solche falsche Richtung der Geistes-thätigkeit wieder auszurotten, und man hat längere Zeit undgrößere Beharrlichkeit vonnölhen, diese Gewohnheiten abzulegen,als anzunehmen. Alles entartet zuletzt zur Ungewißheit, zurGeistesverarmung.
Es gibt kein besseres Mittel, sich von dieser Seclenkrankherchzu heilen, als wieder da anzufangen, von wo man ausgegangenist. Man lerne wieder etwas auf Treu und Glauben und Aus-sage weiser und gewissenhafter Personen für wahr halten»Man überzeuge sich von der Gewißheit, daß andere Menschenm manchen, ja in sehr vielen Dingen bessere Einsichten habenkönnen, als wir in unsern Verhältnissen zu erwerben fähig sind»Und wenn sich auch gewisse widrige, Alles in Zweifel sitzendeVorstellungen uns immer wieder aufdringen, weil sie durch am