selten, ohnmächtig in den alten täuschungsreichen, nichtsprüfen,den Kinderglauben zurücksanken, um da wieder Erquickung zusuchen. So werden viele Religionsspötter, viele Bezweiflet derheiligsten und beseligendsten Glaubenswahrheiten hintennachwieder bigotte Frömmler; und viele Weiber von sogenanntemWeltton, die nichts glauben, und Alles, was die Kirche lehrt,für Mährchen der Unwissenheit und Träumerei der Schwärmerhalten, werden im reifern Alter abergläubige Betschwestern.
Das Uebel der Zweifelsucht entspringt zuweilen aus red-licher Absicht, die Wahrheit zu ergründen. Allein es wird ge-fehlt, wenn man ohne die erforderlichen Vorkenntnisse und Mittelans Prüfen geht, und Mißtrauen in Aussagen von Personensetzt, welche bessere Vorkenntnisse und Mittel besaßen. Dannmacht man das Kleine zum Maßstab des Großen; will mit derEinbildungskraft das Unendliche und Ewige umspannen; ver-mißt sich über die Grenzen der Vernunft; erklärt aus dem Grob-sinnlichen das Uebersinnliche. Man will mit dem Fernrohr dieAbgründe des Meers erkennen, und mit dem Senkblei die Tiefender Himmel erforschen.
Solches ist der gemeine Fall bei Leuten, denen sehr daranliegt, zur Zahl der sogenannten Aufgeklärten zu gehören. Siehaben nur oberflächliche Kenntnisse von der Natur, wie vomGebrauche der Geistesvermögen; aber Eigendünkel genug, sichzuzutrauen, die verwickeltsten und schwierigsten Aufgaben zulösen. Sie verwerfen vorläufig Alles, was sie von religiösenDingen erlernt haben, erfinden sich hintennach Gründe dazu,ihre Thorheit zu rechtfertigen, fühlen dann wieder das Be-dürfniß einer Religion; wissen nicht, wie viel sie für wahr an-nehmen dürfen, und drehen sich in einem widerlichen Kreise vonIrrthümern. Ohne Kenntniß der Sprachen und Entstehungs-zeiten der heiligen Schriften, wollen sie dieselben auslegen. Soverirren sie sich von Mißverständnissen zu Mißverständnissen.Die Einen werden Spötter des christlichen Glaubens, die AndernSchwärmer, Geisterseher und Weissager. Die Frömmsten undWeisesten auf Erden waren aber weder das Eine noch dasAndere.