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kenntuiß, ein Wachsthum des Geistes, wobei das Unhaltbareabfällt, und nur das Wesentliche bleibt. Aber wie der Weg desbedächtigen Glaubens, hat auch der Weg des weisen Zweifelnsgefahrvolle Abwege. Das Beste hat Grenzen, wo es, indemes dieselben überschreitet, Böses wird.
Was mir durch Tugend uns Einsicht gleich glaubwürdigePersonen sagen, insofern es weder den Gr setzen der Vernunftnoch des Gewissens widerstrebt: das ist gl audhaft. Was sichsowohl durch die Duellen verdächtig macht, aus denen es hcr-fließt, als durch Widerspruch in sich selbst, oder durch Wider-spruch mit bisher erkannten Gewißheiten: das ist zweifelhaft.Um mir selber Ruhe zu geben, und nicht in Zerstörung meinerganzen innern Welt zu gerathen, soll und muß ich nothwendigeben so wenig das Zweifelhafte glauben, als das Glaubhafteohne höhcrn Grund bezweifeln.
Das aber ist ein herrschendes Erbübel der Menschen: siekönnen nicht leicht Maß halten, weder im Bösen noch im Guten;und daher alles Unglück unsers Geschlechts. Eine Nebensache,die ihnen Mißtrauen erweckt, scheint ihnen ein Recht zu er-theilen, die ganze Hauptsache zu bezweifeln, und als unstatthaftzu verwerfen. Haben sie keinen Grund zum Zweifeln: so er-finden sie ihn. Sie wollen tiefer dringen, und auch den Grundihres Zweifels bezweifeln, und verlieren sich in ein Gewirre vonSpitzfindigkeiten, welches sie weder zerreißen noch ertragen können.Zuletzt stehen sie ermüdet und stumpf da, und finden keine Be-ruhigung; und ihr Zweifeln wird ein Verzweifeln an allemHeiligen, Guten, Gerechten und Wahren, was die Welt hat.
Dies ist die Zweifel sucht, ein Fehler des Verstandes,eine Seelcnkrankheit, weit schmerzlicher als die Leichtgläubigkeit.Der Zustand des Allesbezweifelns ist endlich so unerträglich, daßder, welcher sich demselben unvorsichtig hingegeben hat, zuletztdie wüthendsten Mittel ergreift, sich demselben wieder zu ent-ringen. Mancher verkürzte sich darum schon, einem Wahnsin-nigen gleich, mit selbstmörderischer Hand das Leben. Noch häu-figer sehen wir, daß Personen, nachdem sie Jahre lang diestarken Geister spielten, Nichts für wahr hielten. Alles bezwei-