Hütte der Armuth einzukehren, und nicht in stolzen Palästen zuwohnen. Vieles haben war für ihn kein Reichthum, sonderngenug haben durch Genügsamkeit. Ruhm, Ehre vor denLeuten galt ihm wie Tand großer Kinder, die sich an Kleinig-keiten ergötzen, denen sie selbst Bedeutungen geben. NichtsZweideutigeres, als das Lob im Urtheil der Menschen.
So hatte sich Christus also von jeher losgebunden vonDingen, an welche der niedrige Mensch gewöhnlich sehr fest ge-bunden ist. Daher mußte seine Beurtheilung vorn Werth derDinge eine ganz andere sein, als die gewöhnliche, welche durchbloße Gewohnheit, durch Vorurtheil, durch thierische Verzär-telung erzeugt ist. Die Juden mochten ihn vielleicht für einenSchwärmer halten, weil sie ihn schlechterdings, bei ihrer sinn-lichen Versunkenheit, nicht in seiner Erhabenheit begreifenkonnten. Er dagegen betrachtete seine meisten Zeitgenossen wieentmenschte Menschen, die das Göttliche in ihrer Thierheit er,stickt, den ganzen Zweck ihres Daseins mit ihrem eigenen Werthverkannt haben, und in kläglichem Wahnsinn lebten.
Darum folglich war der Lebenslauf Christi nicht der Lebens-lauf eines gewöhnlichen Menschen, sondern der eines Wesenshöherer Art gewesen. Sein Tod mußte mithin auch anders, wieder Tod gewöhnlicher Menschen sein. Er starb, wenn ich sosagen darf, göttlich, wie er göttlich gelebt hatte.
Das Todesurtheil war über ihn gesprochen, und zwar vondemjenigen Richter, der dreimal feierlich erklärt hatte, Christushabe durchaus nichts verbrochen. Jesus hörte die feierliche Er-klärung über die Unschuld seines Lebens; das ganze Volk, dieganze Welt vernahm sie. Dies war die höchste Genugthuung,welche Jesus von irdischen Richtern erfahren konnte. Er wardalso zum Tode verurtheilt, nicht eines Vergehens wegen, son-dern weil Ehrgeiz, Eigennutz und Meinungshaß sein Blut for-derten. Der feige Pilatus opferte ihn auf.
Jesus sprach kein Wort gegen die Ungerechtigkeit, welchesich selbst schreiend genug anklagte. Er machte NiemandemVorwürfe. Er sah, daß er als Opfer einer blutdürstendenRotte fallen müsse. Er hatte kein Verbrechen begangen; seine