150
einem Spiegel, vor sich sahen. Niemand läugnet dies. Es gibtgewisse Zustände des erhöhten Seelenvermögens, da der Geist,gleichsam seines göttlichen Wesens und Ursprungs mächtiger alssonst, ohne Gegenwart ist, und in der Vergangenheit undZukunft zugleich sieht. Da sieht er, was noch nicht ist, wieschon vorhanden. Diesen Zustand der Entzückung — auch beiSterbenden wird er häufig gefunden, wenn ihr Geist schon halbvon den Fesseln des Leibes abgelöset ist — können wir uns nichterklären, und doch bezeugen vielfache Erfahrungen sein Dasein.Wir sind gezwungen, ihn zu glauben. Wer hat die Tiefen undGeheimnisse der menschlichen Natur durchdrungen? —> Warumnun, Zweifler, willst du an Jesu nicht erkennen, was du ge-meinen Sterblichen nicht abzuläugnen wagst ? Hast du die Tiefenund Geheimnisse der Natur dessen durchschaut, der, von Gottgeboren, im Verband der außerordentlichsten Weltbegebenheitenvor und nach ihm stand? dessen, der wie Keiner vor und nachihm, die Verbindungen und Verhältnisse der Gottheit, desGeisterreichs und des Weltalls offenbarte, das Höchste erreichte,das Heiligste erkannte, und in seinem Leben vollendet darstellte?Ist dieses Alles dir begreiflicher? und ist es minder schwerund wunderbar? Läugne, wenn du kannst, was da ist — wasgeschehen ist; was dir die Weltgeschichte nennt, und wovon dieheutige Bildungsstufe der Völker die anschauliche Frucht ist!
Noch heute, o Messias, Wunderbarer, Gottgesandter, Sohndes ewigen Vaters, heute noch stehen die Zeugen Deines Daseins,Deiner Liebe, Deiner Weisheit um mich her, und ich wandle inder Welt, wo Du einst wandeltest, umringt von der ErfüllungDeiner Weissagungen! Noch heute lese ich, höre ich Dein heiligesWort, dies Unvergängliche, welches alles Irdische überlebt! Undsehe noch heute die zerstreuten, unglückseligen NachkommenIsraels, verwahrloset, in Vorurtheilen verhärtet, unwissend,nur auf Geld, auf Fristung des ärmlichen, verächtlichen Lebens,auf Befriedigung des gemeinsten Bedürfnisses oder sinnlichenGenusses erpicht; sehe sie, die meisten in kläglicher Halbbildung,und die Unterrichtetsten von ihnen, die Weisesten von ihnen,ihren Stolz darin finden, am Rande des Heidenthums, der