Druckschrift 
7 (1837) Der Christ und die Ewigkeit
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Hell, wie die nothwendigen Erscheinungen der entferntenZukunft, erkannte Christus auch den unvermeidlichen Ausgangseines eigenen Lebens. Er spielte oft in Gesprächen mit denJüngern auf seine ihm bevorstehenden Leiden, selbst auf seineHinrichtung, an. Je näher der schreckenvolle Tag kam, jedeutlicher äußerte er sich darüber. Schon lange zuvor, ehe ernach Jerusalem ging, um sein Schicksal an ihm sich erfüllen zulassen, sprach er: Des Menschen Sohn muß noch viel leiden,und verworfen werden von den Aeltesten und Hohenpriesternund Schriftgelehrten, und getödtet werden, und am dritten Tageauferstehen. Diese Rede wiederholte er öfters. Die Jünger nichtnur, auch die Juden, auch die Priester wußten dieses Wort.

Uns muß eine solche Vorauserkennung seines eigenen Schicksalseben so schauderhaft als unbegreiflich scheinen. Dem Welterlöserwar sie nicht schauderhaft. Er kannte den blinden Haß und Zornder Priester, den blutdürstigen Stolz der Pharisäer, den Leichtsinndes Volks, die schlaffe Gerechtigkeitspflege der römischen Beamten,und kannte neben Allem diesem seine Pflicht und den göttlichenZweck seiner Sendung. Er wich dem Grimm der Priester, demBlutdurst der Pharisäer nicht aus ; er ging ihm vielmehr imheitern Gefühle seiner Unschuld und dem beruhigenden Vertrauenauf Gottes Fügungen unverzagt entgegen. Er zweifelte an demAusgange seines Schicksals nicht.

Uns mag dieses Vorauserkennen desselben unbegreiflich scheinen.Ich weiß, viele Kurzsichtige sind gewesen, welche es gänzlichläugnen wollten und daran ungläubig wurden. Aber läugnenkonnten sie doch nicht, daß er Jerusalems, daß er des israelitischenVolkes letzte Bestimmungen, daß er das Schicksal seiner Jüngerund seiner Lehre in spätern Jahrhunderten voraussah. Denn waser in dieser Hinsicht geweissagt hatte, war längst, ehe es geschah,aufgezeichnet, und konnte nicht erst betrügerischer Weise hinten-nach eingeschoben werden.

Zu allen Zeiten hat es Seher der Zukunft gegeben, die mitwunderbarem Scharfblick, der Tausenden mangelt, aus denZeichen der Gegenwart im schnellen Ueberfchauen der Folgenund Verknüpfungen der Ereignisse, das Zukünftige, wie in