standes, aber zurückzukehren zur Eintracht und Sittenstrenge,zum Gemeinstnn und frommen Muth der Vorwelt, hatteNiemand Entschlossenheit und Tugend genug. Lieber erwarteteman vom Unmöglichen alles Mögliche: einen Messias, derAlles ohne Mühe bloß durch Wunder und Zeichen verwandelnund bessern sollte.
Wenn ein Land reif ist zu seinem Untergänge, danndrängen sich Heuchler in das Amt der Lehrer, die ihren Nutzen,nicht des Volkes Besserung, suchen. Dann werden Gebräucheund Mcnschensatzungen vorgezogen den göttlichen Wahrheiten;dann wird von Schwärmern die Vernunft geächtet und ver-schrien, die Aufklärung zum Staatsverbrechen, Freimüthigkeitdes Todes werth. Dann wird der Verstand mit Trugschlüssenverwirrt, und das Laster des Gewalthabers, und die Falschheitder Beamten, und die freche Heuchelei der Priester findet ihreberedten Vertheidiger. Dann sind Reichthum, Herkunft undRang öffentliche Verdienste; Armuth und Gönncrlofigkeit öffent-liche Schande; Ehrlichkeit, Scham und Religiosität eine lächer-liche Albernheit; Schlauheit, feiner Ton und schlüpfriger Sinndie wahre Weisheit. Dann hat man verächtliche Tugenden undliebenswürdige Laster. Dann sitzen Ehebrecher, Betrüger, Ver-schwörer und Verräther hochgeachtet über Ihresgleichen zumGericht. Dann ruft Alles: Friede, Friede, Gerechtigkeit,Vaterlandsliebe, Eintracht! Aber Unfriede, Ungerechtigkeit,Eigennutz und Parteisinn herrschen von innen. Alles ist aufden Schein berechnet; an der Wahrheit liegt den Wenigsten.Dem Machthaber gilt Alles zum Ruhm, und zu Allem hat erRecht;, dem Unterdrückten gilt Alles zur Schmach, ist AllesVerbrechen. Das jüdische Volk war zum Untergänge reif. Des-potismus herrschte neben Zügellosigkeit im Volke, Ueppigkeitneben Elend, Aberglauben neben RohheiL, Ahnenstolz nebenSittenverderbtheit, Haß gegen die Obrigkeiten neben knechtischerFeigheit und Empörungsbegier — Liebe nirgends.
Das Volk konnte nur durch Verjüngung seiner Kraft, durchWiederherstellung seiner Tugenden wieder groß werden. DerMessias war erschienen. Er bot das einzig wahre Rettungs-