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Was lehrt uns Jesus über unser wahres Verhältniß zu Gottund dem Weltall? Er lehrt: weil Gott ein Geist ist, müssenwir uns ihm nur als Geister nahen; weil unser Vater im Himmelvollkommen ist, müssen wir als seine Kinder auch trachten, voll-kommen zu werden. Selig sind nur, die reines Herzens sind,denn sie werden Gott schauen.
Worin besteht nun die Vollkommenheit, in der wir uns Gottnähern? oder die Reinheit, in der wir würdig werden, Gott zuschauen? Darin, daß wir unsere Anhänglichkeit an das Irdischeschwächen; daß wir uns reinigen von denjenigen unmäßigen undgefährlichen Begierden, deren Zweck zuletzt immer eine sinnlicheLust ist. — Durch die Tugend nähern wir uns Gott.
Freilich auch andere Weise haben dieses oder doch Aehnlichesschon gelehrt, die von Christo nichts gewußt haben. Aber Christusdrängte die ganzeTugend- und Vollkommenheitslehre der Mensch-heit in ein einziges Wort und Gefühl zusammen : in Liebe.
Gott ist die ewige Liebe: so soll ihm der menschliche Geist inLiebe gleich werden. Wie Gott uns geliebt hat und liebt, so sollenwir ihn wieder lieben; Gott über Alles, den Miterschaffenen wieuns selber; das ist das höchste Gebot!
Es ist wahr, auch andere Weise haben zur Tugend schöneVorschriften gegeben, selbst die Heiden. Es ist wahr, auch dieHeiden haben edle Handlungen vollbracht, durch welche selbstsein wollende Christen beschämt werden. Aber wer nennt mirden Heiden, welcher einer christlichen Tugend fähig war? Nichtin dem, was gethan worden, liegt die Reinheit und Aech-cheitund Größe der Tugend, sondern in ihren Quellen, in den hohenBeweggründen, warum etwas gethan wurde.
Wer um der Ehre willen handelt, kann Vortreffliches voll-bringen ; aber wer sagt, daß er ein Tugendhafter sei? Er hateinen irdischen, niedrigen Beweggrund, so wie der, welcherum eines andern Gewinnes willen Gutes und Nützliches thut.Beide haben ihren Lohn dahin, sobald sie Ehre oder Gewinndavontragen. Die Heiden verrichteten bewundcrnswürdigeDingeaus Nationalstolz und Vaterlandsliebe. Die U> facheihrer großen Thaten war eben so irdisch, wie der Zweck derselben.