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erwarten schien. Noch auS dem Gefängnisse, worin er schmachtete,sandte er zwei seiner Jünger zu Christus, und ließ ihm sagen:Bist Du der, der da kommen soll, oder sollen wir eines Andernwarten? — Christus aber machte die Abgeordneten zu Augen»zeugen seines Lebens und Wirkens, und schickte sie dann zu ihremLehrer mit der Antwort zurück: Selig ist, der sich nicht an mirärgert!
Christus hatte sich sogleich, nachdem er von Johannes getauftworden war, statt dessen hohen Erwartungen zu entsprechen, indie Einöde begeben. Da lebte er vierzig Tage lang verborgen.Warum er in diese Wüste ging, wissen wir nicht. Der EvangelistMarkus erzählt bloß: Er ward daselbst versucht von dem Satan,und war bei den Thieren, und die Engel dienten ihm. DerEvangelist Matthäus meldet umständlicher, auf welche ArtJesus versucht worden sei. In diesen Erzählungen herrscht fürdie Leser auS heutigen Tagen viel Unbegreifliches.
Man muß sich daher nicht wundern, wenn über dieses Allesvon Neuern und Aeltern mancherlei Auslegungen gemacht wor-den sind, welche zuletzt doch Keinem ein Genüge leistrn konnten.Einige nahmen die Erzählungen ganz im buchstäblichen Verstände,daß der Teufel Jesum wirklich auf die Zinne des Tempels vonJerusalem gestellt, und geheißen habe, sich unbeschädigt hinab-zustürzen, um zu beweisen, er sei der Sohn Gottes; oder daßer ihn auf einen hohen Berg geführt, ihm die Reiche der Weltgezeigt, und ihm den Besitz derselben versprochen habe, wennJesus niederfallen und ihn anbeten würde.
Dieses buchstäbliche Verstehen der Erzählung wollte Andernnicht der richtig aufgefaßte Sinn derselben scheinen. Theils warihnen unglaublich, daß Gott jemals einem überirdischen bösenWesen so viel Gewalt gestattet habe, den Gang der Natur zuunterbrechen, oder Jesum zur Sünde zu versuchen; theils schienihnen die Art der Versuchung an sich, wenn man sie wörtlichfür geschehen hielte, weder angemessen dem Fürsten des Bösen,welcher die Geisteshoheit des Messias kannte, noch angemessender Würde Jesu Christi. Denn einer Versuchung solcher Artwürde auch ein frommer und redlicher Mann unserer Tage mit