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Neigungen zu göttlichen Dingen; doch erkannte Johannes dieüberlegene Geisteshoheit seines Freundes willig und bescheiden an.
Es ist unbekannt, welche Schicksale beide Jünglinge voneinander trennten. Es ist unbekannt, ob Jesus bis im höhernJünglings -> und im beginnenden Mannesalter zu Nazareth ge-blieben. Nur das Einzige wissen wir gewiß, daß Johannes sichfrüh in die Einsamkeit begab, wo er sich frommen Betrachtungenund Uebungen widmete und ein strenges, enthaltsames Leben,mit Verachtung aller irdischen Annehmlichkeiten, führte.
Jesus mochte ungefähr neunundzwanzig Jahre alt sein, alsJohannes, zum Manne gereift, nun öffentlich auftrat undlehrte. Schon sein Aeußeres erregte Aufsehen. In einem Kleidevon Kameelhaaren, um seine Lenden einen ledernen Gürtel, sahman ihn in freiwilliger Armuth längs dem Jordan predigen. Ernahm keine andere, als die Nahrung des dürftigsten Menschen:wilden Honig, oder die. große Heuschrecke des Morgenlandes.Seine Reden über das herrschende Verderben des Zeitalterswaren erschütternd. So hatte noch Keiner vor ihm gesprochen.Er redete ganz im Geiste der hohen Alten und Propheten; erforderte vollkommene Buße, das heißt, vollkommene Sinnes-änderung; ohne diese sei für Israel kein Heil, keine Rettungvom Untergang. Er eiferte gegen den jüdischen Stolz, das VolkGottes zu sein, und, in dieser Hochmüthigkeit auf große Ahnen,deren Tugenden in schlaffer Weichlichkeit zu vergessen. Nehmeteuch nicht vor, zu sagen, rief er, wir haben Abraham zumVater! Thut rechtschaffene Früchte des geänderten Sinnes,oder der Buße, wenn ihr Rettung vom Verderben begehret, dasunaufhaltsam einbricht. Es ist schon die Art den Bäumen an dieWurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Früchte bringt, wirdabgehauen und in das Feuer geworfen! (Luk. 3, 7 — 9.)
Sein Wandel, seine Predigt bewogen den Wißbegierigen, wieden Neugierigen, zum Jordan zu reisen, den neuen Prophetenzu hören. Geschreckt durch den Donner seiner Weissagung fragteMancher: Was soll ich denn thun? Er antwortete den Be,gütertcn: Habe einen Ueberfluß für den Nothleidendcn. Werzween Röcke hat, gebe einen dem, der keinen besitzt. Er