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Simeon, war des innigen und mit der allgemeinen Erwartungübereinstimmenden Glaubens, die Zeit sei erfüllt, und er werdenicht sterben, er habe denn zuvor den Christ des Herrn, dasheißt, den Gesalbten Gottes, erblickt. Er sah Jesum. Er-schüttert nahm er das Kind vom Arm der Mutter an seineBrust, blickte gerührt zum Himmel empor und sprach im Geistder Propheten: „Herr, nun lässest Du Deinen Diener inFrieden fahren, wie Du gesagt hast; denn nun haben meineAugen Deinen Heiland gesehen, welchen Du bereitet hast vorallen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zumPreise Deines Volkes Israel!" (Luk. 2, 32.)
Die Worte des Greises erregten, nach Allem, was schongeschehen war, die Verwunderung des Vaters und der Mutter.Nicht minder, als eine weise und fromme Frau von vierund-achtzig Jahren, durch Simcons Reden angezogen, in gleicherEhrfurcht sprach, betete und segnete.
Das Kind hatte, dem mosaischen Gesetze gemäß, die Be-fchnei"ung empfangen zu Jerusalem. Darum kehrten die Aelternmit demselben nach ihrem Wohnort Nazareth zurück, als sieAlles gethan hatten, was sie nach Vorschrift des Gesetzes beob-achten mußten. Alles aber, was geschehen war, mußte in ihnenwunderbare, dunkle Ahnungen von den Bestimmungen und derZukunft dieses Säuglings erwecken. Er ward ihnen ein heiligesPfand der Gnade Gottes. Ihre ganze Sorge und Zärtlichkeitwandte sich ihm zu. Wie mußten sie erschrecken, als nun dieRede ging, daß der König geboten habe, in Bethlehem die Un-schuld zu erwürgen, weil dort der Messias geboren sei! — Zit-ternd machten sie sich auf und flüchteten nach dem benachbartenAegypten, in den Schutz fremder Verwaltung, in eine rettendeVerborgenheit.
Gott, wie preise ich Deine Vorsehung würdig! Welch eineWeisheit in allen Verumständungen und Begebenheiten, inZeiten und Gegenden, welche die Geburt dessen umgeben, demich meine Erleuchtung, Deine wahre Erkenntniß, meine Selig-keit schuldig bin! — Welche Allmacht in der großen Entwickelungaller Schicksale! — welche Barmherzigkeit und Liebe gegen das