22
Schauder und Wehmuth! Wie viel Blut, wie viele Thränenflössen, und wofür! Eroberer gingen mit ehernen Fersen überdie Leichen zahlloser Geschlechter hin — was war ihr Werk?
Elend. Was war ihre Beute? ein vergessenes Grab. Wo sinddie Herrlichkeiten Jerusalems, die Prachtgebäude Babylons,die gewaltigen Zepter des Morgenlandes alle? Wo sind dieSchulen Griechenlands, wo die Reiche Roms?
Es war der allgemeine, ungeheuere, endlose Krieg der Leiden-schaften. Völker verschlangen Völker, und wurden verschlungen.
Ihr Ruhm ist dahin ; von vieler Dasein weiß man nicht mehr.
Nichts blieb von dem Allen, als die schrecklich warnende Geschichtedes großen Jammers, und das Gute, welches durch Weisheitund Tugend den nachfolgenden Geschlechtern gestiftet ward. Nurdieses blieb unsterblich. Und wo es von den Völkern ergriffenward, wurden sie dadurch glückselig und. groß. Sie stürzten un-aufhaltsam in den Abgrund des Verderbens, sobald sie sich zumBösen wandten.
Und sehe ich auf die heutigen Völker, und ihre Kriege undihre Sitten — schaudernd und bange ahne ich noch schrecklichere ,Zeiten. Ach, hätte ich, königlicher Jesaias, den Donner deinesMundes, um die Welt von ihrem Irrthum zurückzurufen! Aber Ei
würde sie mich hören? Im wilden Wahnsinn ihrer Begierden Uh
rasen sie von Sünde zu Sünde. Die Juden hatten Mosen unddie Propheten, uno sanken unter; sie hörten nicht. Die Völker ^
der heutigen Welt, haben sie nicht Jesum Christum? Sie hören ^
ihn nicht. Sie deuteln an seinen Lehren, sie streiten um seine ^
Worte, wie Pharisäer und Sadducäer einst um die Buchstaben ^
MosiS. Aber der Geist Jesu ist nicht in den Deutlern. Darum, ^
du über das große Weltverderben trauernder Jerrmias, rufe ^
noch heute: Verlaßt euch nicht auf die Lügen, wennsie sagen : Hier ist der Tempel, hier ist der Tempel, H
hier ist der Tempel! sondern bessert euer Leben ^
und Wesen, daß ihr gerecht thut Einer gegen den ^
Andern!
ah