«ichts Rühmliches erblicken, so viel Gerechtigkeit und Edelmuthauch da wohnen möge.
Wer Leben, Thaten und Schicksale seines Geschlechts er-zählen will, wirft sich zum Richter einer vergangenen Well auf.Er selbst, um gerecht zu sein, soll sich von aller Leidenschaft,von allem Vorurtheil losschälen. Er soll nur Geist sein, über--as Irdische erhaben, vertraut mit allen Schwächen der Mensch-heit, voller Schonung, doch ohne Liebe für sie. Er soll richten,wie Gott das Geschlecht der Sterblichen beurtheilt. Und ist erdieser Höhe fähig, hat er sie erschwungen, dann werden ihm dieSchicksale der Welt und ihrer Völker bloß als die Wirkungenvom uralten Streite des Guten und Bösen aufErden erscheinen. Alles, was wir Glück und Unglück nennen,alle Veränderungen menschlicher Gebräuche, Sitten und Ord-nungen, aller Auf- uno Untergang der Nationen, selbst dieSchicksale einzelner Menschen, gehen aus diesem allg. meinen undimmerwährenden Kampfe des Geistigen und Thierischen, desGöttlichen und Irdischen hervor, und lösen sich darin auf, wieeinzelne Tropfen im Fahrenden Moste, der sich läutert und reinigt.
Diese hohe Ansicht des Wcltlaufes, welche unsern Zeitenfast unbekannt geworden, war schon die Ansicht der Weisen beiden ältesten Völkern. Denn sie standen dem, was göttlich ist,näher als wir, die wir von irdischen Bequemlichkeiten, Bedürf-nissen und daraus entspringenden kleinlichen Verhältnissen weitgebundener und umschränkter sind, als sie. Sie sahen das Lebendes Menschen, wie eines ganzen Volkes, als das wechselndeSpiel jenes ewigen Krieges an, welchen die doppelten Naturender Menschheit führen. Sie stellten diesen Krieg bald unter demBilde des Lichts und der Finsterniß dar, die mir einander streiten;bald unter dem Bilde zweier Gottheiten, welche mit Eifersuchtunter sich um die Herrschaft über die Welt ringen. Das hoheAlterthum liebte die Sprache in Bildern. Die spätere Zeit erstverwechselte den erhabenen Gedanken mit dem Bilde, worin ereingekleidet war.
Diese erste und große Ansicht des Weltlaufes der Alten erbteauf die jüngern Völker herab, und jedes derselben machte neue