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Eyck
anlassung, warum man in neuerer Zeit gegen die zuerst von Sandrart aufgestellteMeinung, Joh. van Eyck sei um 1370 geb., annimmt, sein Geburtsjahr falle wolum 20 oder 30 I. spater, denn eben jene Bildnisse der Bruder van Eyck, die wiedas ganze Gemälde zwischen 1420 — 1430 entstanden, zeigen den ältesten bereitsals einen Mann von sehr vorgerückten Jahren, einen Sechziger ungefähr swas dennauch mit der Angabe s. Geburtsjahres übereinstimmte), den andern, Johann, aberals einen Dreißiger, welches er damals nicht mehr hätte sein können, wäre er wirk-lich um 1370 geb. worden.) An dem glänzenden Hofe des Herzogs Philipp hat-ten die Brüdcr die beste Gelegenheit, durch Erblickung von prächtigen Stoffen, Ge-schmeiden, Waffen, Geräthen, Festen u. dgl. m., ihren Geschmack vollends auszu-bilden; besonders benutzte dies Johann bei s. Arbeiten, in welchen diese Gegen-stände von einer ganz außerordentlichen Naturwahrheit sind. Hubert erlebte dieVollendung des erwähnten großen Gemäldes in Gent nicht; er starb daselbst, sowieauch die Schwester Margarethe. Johann vollendete es und begab sich mit s.Frau nach Brügge, woselbst er bis an s. Tod blieb und noch viele herrliche Werkeverfertigte. Was den Ruf dieses ausgezeichneten Künstlers schon bei s. Lebzeitenerhöhte, war die von ihm bewirkte Einführung der Ölmalerei (s. d.), derengänzliche Erfindung ihm sogar von Mehren noch lange nach s. Tode, wiewol fälsch-lich , zugeschrieben wurde. Ferner erwarb sich Joh. van Eyck noch große Verdiensteum die Kunst durch Das, was er in Hinsicht auf Linien- und Luftperspectise und inBeziehung auf die Glasmalerei leistete. In Betreff der erstem bemerken wir nur,daß es bis auf ihn fast allgemeine Sitte war, statt des Hintergrundes den Gemäl-den einen flachen Goldgrund zu geben, aus welchem dann die Figuren ohne Per-spektive hervortraten, wie dies an unzähligen Bildwerken aus der frühern Zeit nochzu sehen ist. Selbst van Eyck beobachtete diese Gewohnheit noch bei s. ersten Arbei-ten, und faßte, weiter geschritten aufs. künstlerischen Laufbahn, die bis dahin nur ,höchst unvollkommen angewendete Idee auf, den Bildern durch einen naturgemä- Ißcn Lufthintergrund eine natürlichere Gruppirung und Perspektive zu geben ch.
Dies gelang ihm, wie mehre f. noch vorhandenen Arbeiten zeigen, auf eine so aus-gezeichnete Art, daß er hierin füglich der Vater der neuen Malerkunst genannt wer-den kann, indem die Malerei durch ihn gewissermaßen einen neuen Umschwung unddie erste Grundlage zu der hohen Stufe von Ausbildung empfing, welche sie seitdemin den schönsten Zeiten der berühmtesten nach ihm lebenden Meister, sowol der Nie-derlande als Italiens erhielt. Was die Glasmalerei anbelangt, so schreibt manihm die Erfindung zu, auf ganzen Scheiben, mit Verschmelzung der Farben undsehr zarten Übergängen des Eolorits, dergestalt malen zu können, daß keine Verwi-schung möglich ist, was man bis dahin nur durch Zusammenfügung (Mosaik) vie- ^ler bunter Glasscheiben zu erreichen vermochte. Der Einfluß, welchen somit Joh. !van Eyck, sowol als Künstler wie als Erfinder oder vielmehr als Verbefferer mehrerZweige der Kunst, sich erwarb, mußte nothwendig groß sein, und die hierdurch ge-wissermaßen von ihm gestiftete Schule steht mit Recht an Berühmtheit den besten 'gleichzeitigen oder spätern nicht nach, wenn man ihr gleich den Vorwurf einer meistverfehlten Zeichnung der Extremitäten des menschlichen Körpers (ein Fehler, derdurch das, vermöge eines übertriebenen Schamgefühls, verhinderte Studium desNackten und der Anatomie überhaupt herbeigeführt wurde) nicht ersparen kann.
Die Gesichter, Gewänder, Gruppirung, Vertheilung des Lichtes und Schattens,sind dagegen bei Joh. van Eyck und s. meisten Schülern stets ausgezeichnet, undder Glanz s. Farbengebung so blendend als prachtvoll. Man hat von I. van Eycknoch viele Arbeiten, die theils in Kirchen und Museen, theils in den Kunstsamm-
*) Gleichzeitig mit ihm, jedoch nicht in der Vollkommenheit wie er, wandten auchPietro della Francesco und Paolo Uttella die Linienperspective statt des Goldgrun-des an.