Exaltation Exchcquer 695
fortwährenden Kongreß, als höchstes Völkertribunal, alle Streitigkeilen der Staa-ten schiedsrichterlich beilegen sollte. Da aber diese Mittel unzulänglich befundenwurden, weil es dem ewigen Frieden auch bei Boraussetzung seiner politischen Zu-stände an einer hinlänglichen Bürgschaft fehlen würde, so erklärten Andre denselbengeradezu für ein Himgespinnst und traten wol gar als Vertheidiger des Kriegs auf,wiefern derselbe ein zur Beförderung menschlicher Bildung nothwendiges Übel sei.Die Vernunft muß indessen den Krieg immer als einen rechtlosen Zustand, der Lebenund Wohlsein vieler Tausende zerstört, verabscheuen. Sie muß folglich immerfortdie Idee eines ewigen Friedens als eine rechtliche Federung an die Völker und Staa-ten aufstellen; sie wird aber schon zufrieden sein, wenn die von ihr gefederte Ewig-keit in der Wirklichkeit nur als eine sehr lange Dauer des Friedens erscheint. (Vgl.Heilige Allianz.) D.
Exaltation, Erhöhung des Gemüthszustandes, besonders aber krank-hafte Erregung, die über den normalen Lebenszustand hinausgeht; mag sie physi-schen oder psychischen Ursprungs sein.
Exantheme, Hautkrankheiten mit Fieber verbunden, daher sie acute,hitzige Hautausschläge genannt werden, um sie von den langwierigen, denen sich dasFieber nur zufällig beigesellt (welche in der medicinischcn Kunstsprache IrnpetiAine»genannt werden), zu unterscheiden. Die am häufigsten vorkommenden sind Blat-tern, Masern, Röcheln, Scharlach, Friese!, Blascnsieber, Nesselfriesel. Einejede hat ihre Eigenheiten, die auf die Entstehungsweise, auf die Bildung und Stel-lung der veränderten Erscheinungen in der Haut und in ihrem Verlaufe gegründetsind. (Vgl. Hautkrankheiten, Blattern.)
Exarchat. Als Narses, der Feldherr des morgenländischen Kaisers Ju-stinian, die Gothen und ihre Verbündeten in Italien ganz besiegt hatte (552—54),behandelte Justinian den mittlern Theil Italiens als eine Provinz des morgenländi-schen Kaiserthums und ließ es durch einen Statthalter (Exarch), der s. Sitz zuRavenna hatte, regieren. Aistulf, König der Langobarden, eroberte Ravenna unddas ganze Exarchat (752), aber der fränkische König Pipin nöthigteihn (755), es zu-rückzugeben, und schenkte es dem Papst Stephan IH. Seit dieser Zeit ist Ravennaund sein Gebiet mit dem Kirchenstaate vereinigt geblieben. — Bei den heutigenGriechen ist Exarchus ein Abgeordneter des Patriarchen, welcher in den Provin-zen herumreist und die Bischöfe und Kirchen visitirt.
Excellenz, ein Titel, den zuerst die longobardischen Könige geführt habensollen, und den sich, nach ihnen, mehre römische Kaiser, namentlich Karl d. Gr.,Konrad I., Friedrich I. rc. beilegten. Späterhin ging er, besonders in Italien,auf die kleinern Fürsten über, bis auch diese, nachdem Papst Urban VIU., 1630,den Cardinälen die Eminenz ertheilt hatte, ihn gegen die Altezza vertauschten, umso mehr, da schon früher einige Gesandte vom ersten Range, zu Rom, sich densel-ben angemaßt hatten. Seitdem ist, durch den allgemeinen Gebrauch, die Excellenzin einen Amts - oder Diensttitel umgewandelt worden, der sich in keinem Falle aufKinder oder Verwandte übertragen läßt, mit dem Amte jedes Mal aufhört, und nurvon wirklichen Ministern, von den ersten Hof- und Militairwürdcn, Ambafsadeu-> ren und Gesandten (bevollmächtigten Ministem) geführt wird.i Exception, Ausflucht, besonders gerichtliche, s. Klagen und Einre-! den.— Exceptionsgesetze, s. Ausnahmegesetze.
' Exchcquer, der königl. Lehnhos in England, eins der 3 obersten Ge-richte in Westminster (s. England, Gerichtsverfassung). Es heißt so, seit Wil-helm dem Eroberer, von dem gleich einem Schachbrct (franz. eelngnler) gewürfel-ten Fußboden, welches in verschiedenen Ländern, u. a. auch in der Normandie undfrüher im fränkischen Reiche, eine Auszeichnung des Saales für daS höchste Gerichtder Pairs war. Daher hieß auch der oberste Gerichtshof zu Rouen: Lcbiguier