Druckschrift 
3 (1830) D bis E
Entstehung
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

692 Evremont Ewald (Johann)

Evremont (Charles Marguetel de Saint-Denis, Herr von Samt-), geb.d. t. April 1613 zuSt.-Denis leGuestinderNiedernormandie, einer der geistreich-sten Schriftsteller seiner Zeit, der sich weniger mit den Gegenständen tiefer Spccula-tion als mit der Philosophie des geselligen Lebens beschäftigte. Er studirte die Rechtezu Paris, trat aber später in Kriegsdienste, focht als Hauptmann beiNördlingenundFreiburg und ward im span. Succcssionskricge Marechal de Camp. Zn der Gesell-schaft zeichnete er sich durch Witz und hellen Verstand aus, und bis zu seinem Lobeverließ ihn seine Heiterkeit nicht. Er spielte eine glänzende Rolle unter den geistrei-chen Epikuräern jener Zeit, die bald so großen Einfluß auf die franz. Philosophie er-hielten; büßte aber einige Unvorsichtigkeiten, die er in Gesellschaften wie in seinenSchriften begangen hatte, mit der Gefangenschaft in der Bastillc. Einer spätern zwei-ten Verhaftung entging er nur durch schnelle Flucht nach England. E. starb zu Lon-don am 9. Sept. 1703 und liegt in derWestminsterabtei begraben. S.Oeuvresluelees" erschienen Paris 1690, 2 Bde., 4., hernach Amsterdam 1706,5 Bde., 12,und 1750,12 Bde., 12. In den meisten seiner Schriften ist Anmuth, Leichtigkeitund Frohsinn der vorherrschende Charakter. Eine tiefer greifende Einsicht findet sichnur hier und da.

Ewald (Johann), einer der originellsten dän. Dichter der neuern Zeit, beson-ders als Tragiker und Elegiker ausgezeichnet, wurde 1743 zu Kopenhagen geb., imSchleswig'schen aber, wo sein Vater Prediger war, für einen Geist, wie der seine,höchst unpassend erzogen. Sein strenger, bigotter Vater wollte aus dem Sohn einenTheologen nach seinem Schlage machen, und der junge E. strebte nur in dic Welt hin-aus. Eine Menge Heiligen-Legenden, die er lesen mußte, entflammten seine Einbil-dungskraft. Das Loos eines Missionnairs, der in fernen Erdtheilen unter Heiden undBarbaren Fährlichkeiten sonder Zahl zu bestehen hat, schien ihm eine Zeit lang dasbeneidenswertheste; später ergriff ihn die Lccturc des Robinson Crusoe dermaßen, daßer einmal heimlich davonging, um eine wüste Insel zu suchen. Durch diesen Fehltrittward die Strenge des Vaters noch verdoppelt, derben Gedanken festhielt, einen Theo-logen aus dem Sohne zu bilden, und ihn deßwegen nach Kopenhagen schickte. Hierward jedoch dem Jünglinge der Zwang, welcher seinen Neigungen, die ihn jetzt vorzüg-lich zum Militair hinzogen, angethan wurde, so unerträglich, daß er aufs Neue ent-floh und sich in Hamburg von preuß. Werbern anwerben ließ. Als man ihn aber inMagdeburg, wohin er geschafft wurde, statt dem Versprechen gemäß, ihn unter dieHusaren zu geben, in ein Infanterieregiment einstellte, entwich er während des Lau-fes des sicbenjähr. Krieges den preuß. Fahnen und trat in östr. Dienste, wo man ihnnicht allein besser behandelte, sondern, da er sich bei mehren Gelegenheiten auszeich-nete, auch zumOfsicier machen wollte, falls er zum Katholicismus überträte. Diesverwarf E., und bald darauf durch seine Familie losgemacht, kehrte er nach Kopenha-gen zurück. Nun begann er mit Ernst sich der Theologie zu widmen. Eine unglück-liche Leidenschaft aber riß ihn aufs Neue aus dieser Bahn. Ein aus frühern Zeitenher geliebtes Mädchen ward ihm untreu, und Welt und Leben dadurch dem Tieffüh-lenden verhaßt. Unthätig schlenderte er in Gram versunken umher, und nichts ver-mochte seinen Kummer zu lindern. Er war damals 22 I. eckt und hatte noch keineAhnung von dem Dasein des in ihm schlummernden Talentes. Ein Ereigniß weckteden heiligen Funken in ihm. König Ferdinand V. von Dänemark war gestorben, undes sollte eine Tcaucrcantate gedichtet werden. Zufällig wurde ihm die Sache über-tragen, und der Erfolg war so glänzend, daß sich schnell die Augen aller Kenner undVerehrer der Poesie auf den jungen Mann richteten, der nun, ermuntert von der ko-pcnhagcncrAkademie derWisscnschaften, beschützt von Bernstorff und Karstens, mitRath unterstützt von dem damals in Kopenhagen lebenden Klopstoü, schnelle Fort-schritte auf der betretenen Bahn machte und bald in der Ode und in der Tragödiezu den ausgezeichnetsten Dichtern seines Volks gerechnet wurde. SeinBalders