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3 (1830) D bis E
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Einflüsse auf den menschlichen Körper

Man kann es in intellektueller, moralischer und ästhetischer Hinsicht betrachte».Wird die Einfalt dem Verstände zugeschrieben, so bezeichnet sie die natürliche Be-schränkung der Werstandeskräftc eines Menschen auf einen kleinen Wirkungskreis.In dieser Hinsicht wird Einfalt stets als Fehler gerechnet, wo sie nicht Folge derUnmündigkeit ist, welche allmälig verschwindet, oder mit Einfachheit gleichbedeu-tend gebraucht wird. Den moralisch Einfältigen nennt man auch den Mann vonschlichtem Herzen, einfacher Sitte; seine Beschränkung ist freiwillig. Wer ein-fältigen Verstandes ist, kann nicht nach wcitaussehcnden und verwickelten Absichtenhandeln; wer einfältigen Herzens ist, will es nicht. Der Stimme seines Gewis-sens folgend, klügelt er nicht über seine Pflichten, er übt sie aus, unbekümmert m»den Grund derselben, über welchen der Philosoph sich oft gern in Zweifel verwickelt,und den der Weltling gem untergrübe. Sein Leben zeichnet sich aus durch eineÜbereinstimmung der Gesinnungen und Handlungen, welche alle entfernte eigen-nützige Nebenabsichten ausschließt, wobei denn freilich seine Einfalt des Herzensdem Weltklugcn als Einfalt des Verstandes erscheinen mag. Der Einfältige amVerstände ist dem Gewandten, Pfiffigen, der Einfältige am Herzen dem Politi-schen, ungefähr wie die Moral der Politik, entgegengesetzt. Oft mögen wir denPolitischen anstaunen, öfter werden wir ihn fürchten: der moralisch Einfältige istgewiß, durch Liebenswürdigkeit das Herz zu gewinnen; er gewinnt es aber, ohne eszu wollen, denn auch hier ist er frei von Absicht. Der Charakter der Einfalt istdurchaus Naivetät (s. d.), die stets mit der Unschuld verloren geht. Wie jeneNaivetät dem Künstlichen entgegengesetzt ist, so ist auch Einfalt in der Kunst einAnschein von Kunstlosigkeit und Natürlichkeit. Im kunstlosen Zusammenstimmenaller einzelnen Theile eines Kunstwerks zum Ganzen besteht die ästhetische Einfaltoder Einfachheit. Verschmähend alle Mittel, wodurch ein stetes Hinblicken aufdas Gefallen die Aufmerksamkeit an sich zu reißen sucht, nie fremden Anfoderungengehorchend noch dem Zeitgeiste stöhnend, spricht die ästhetische Einfalt ihre innersteSeele anspruchlos aus, und wartet ruhig auf die Seele, die sie verstehe. Nie gibtsie mehr, als eben der Zweck erfodert; ihre Kunstmittel sind die einfachsten, ihreAnordnung und Verbindung ist die faßlichste; nie sucht sie Beifall aufNebenweqcnzu erschleichen, ist fern von allem Gesuchten, allem Prunk, aller Überladung. Sieist nicht reich und blendet nicht, aber sie ist sicher, tüchtig, wahr und innig. IhrGang ist ein gerader, fester Gang zum Ziele; überall zeigt sich eine gewisse kindlicheAufrichtigkeit. Auch von der ästhetischen Einfalt kann man sagen, daß sie mit derUnschuld verloren gehe, denn bei den Neuern ist sie erworben, künstlich, bei denAlten war sie unwillkürlich; schon den Römern wurde es schwerer, diesen Geist ihrenWerken einzuhauchen. Man darf übrigens die Einfalt nicht mit Einfö rmig -keit verwechseln; letztere ist die Ähnlichkeit der Theile eines Dinges in Hinsichtihrer Form; sie wird in der Kunst fehlerhaft, wo sie das Interesse schwächt oderaufhebt.

Einflüsse auf den menschlichen Körper. Die ganze, den Men-schen umgebende Natur steht mit ihm in so inniger Verbindung, daß nur durchdie stete Wechselwirkung beider auf einander das Leben bestehen kann. Der mensch-liche Körper steht auf der höchsten Staffel der Stufenleiter organischer Wesen; jedeForm des Lebens von der geringsten an bis zur höchsten wiederholt sich in ihm. Bondcr Krystallgestaltung an, der einfachsten im unorganischen Reiche der Natur sichäußernden Lebenswirkung, zu dem organischen bloß vegetativen Leben des Pflanzen-reichs, von dem einfachsten thierischen Leben bis zu dem höchst ausgebildeten, findetsich die Nachbildung in ihm. Was ihn aber über Alle emporhebt, ist dcr unsterblicheGeist, der Abglanz des ewigen Lebens, welcher selbstthätig neue Ideen schafft, dieganze Außenwelt in sich im Bilde austnmmt, und in inniger Verbindung mit demKörper als menschliches Gemüth sich darstellend, sowol von Ideen bestimmt wird,