weiter. Da hatten wir wieder ein Pröbchen von türkischerWirthschaft. Der Weg führte nuS an dem im Neubau begriffenengriechischen Hoöpiz vorbei. Diese Gebäude liegen auf einemBerge und gleichen mehr einer Citadelle, alö einem friedlichenÄloster. Bon diesem Punkte aus kann ganz Jerusalem beherrschtwerden. Die sehr enormen .llostcn bezahlt der Kaiser vonRußland. Als wir auf einem kleinen Berge angekommenwaren, von wo auS wir die h. Stadt zum letzten Male sehenkonnten, verließen wir unsere Pferde und verrichteten ein Gebet.
„Wehmüthig sah ich auf die h. Stadt Jerusalem! DuStadt des Friedens, des Heiles und der Erlösung! Du Stadtder Widm und des Trostes! Du Stadt deS TodcS und derAuferstehung zum Leben! — Dich soll ich nun verlassen undvielleicht nie mehr in meinem Leben Dich wiedersehen! —Vielleicht ist cS mir nie mehr vergönnt, als Pilger in DeineMauern einzuziehen und nochmals all' die Stunden der Wchmuth,der Trauer und der Freude zu erleben. Möge all das Gute,das ich in Dir, o Jerusalem, empfangen, mich begleiten bis andas Ende meines Lebens, und wenn einst im Tode mein Augebricht, dann schwebe Du, irdisches Jerusalem, als liebliches Bilddes himmlischen vor meiner Seele . . ."
Gerne hatte ich hier noch länger verweilt, allein derDireetor mahnte zum Anfbruch. Mit schwerem Herzen bestiegich mein Pferd, wandte noch einen letzten feuchten Blick dorthinund sagte der h. Stadt Lebewohl!
Der Weg führte in ein Thal hinab und ich sah Jerusalemnicht mehr. — Die Beschreibung der Hanpt'SchcnSwürdigkeitcnJcrusalcm's sind bei der Besichtigung bereits aufgezeichnet undich will daher nur einige kleinere Bemerkungen folgen lassen.
Jerusalem ist die. denkwürdigste Stadt der ganzen Welt.Sie ist die Wiege des Christenthums und ist nach der bisherachtzchnmaligcn Zerstörung nur schlecht und unvollständig wiederaufgebaut. Ihre Einwohnerzahl beträgt 18—20,000, meistensTürken, Araber, Juden und Armenier, dann 2—3000 Christen,