Druckschrift 
2 (1844)
Entstehung
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simpel genug getadelt worden ist, hat, wenn er schrieb, immer KU

eine gewisse Spannung bei sich verspürt, eine gewisse Aufmerk- zB

samkeit, nichts zubringen zu lassen, was schlecht wäre; nun B

wollen sie ganz edel und schlechtweg schreiben, lassen von dieser W

Spannung nach, und nun dringt alles Gemeine zu. Simpel D

und edelsimpel zu schreiben, erfordert vielleicht die größte Span-nung der Kräfte, weil, bei einem allgemeinen Bestreben unsererSeelcnkräste, gefallen zu wollen, sich nichts so leicht cinschleicht, >W

als das Gesuchte. Es wird außerdem eine ganz eigene Art dazu M

erfordert, die Dinge in der Welt zu betrachten, die eher das H

Werk eines nicht sehr belesenen schönen Geistes, als eines Stu- M

dinms des Alterthums ist. Wenigstens glaube ich, soll man dieSimplicität nie aus anderen Schriften zuerst kennen lernen wol- M,len. Wer so viel Latein versteht, daß er den Horaz ohne An-stand lesen kann, und nicht bloß an einigen Sentenzen desselben ^

Vergnügen findet, sondern spürt, daß, trotz einer oft überraschen- ^

den Schönheit, dennoch sein Gefühl immer mit dem Horazischen ^

gleich geht, der kann hernach den Horaz zu seinem Unterricht ^

lesen, und wird das, was in ihm Schönes liegt, alsdann noch ^

mehr entwickeln. Wer aber gehört hat, Horaz sei schön, liest ^

ihn, ohne ihn wirklich seiner Empfindung harmonisch zu finden, ^

merkt sich einige Züge und ahmt ihn nach; der muß entweder ^

ein sehr feiner Betrüger sein, oder es wird allemal unglücklich ^

ausfallen. Ein solcher Schriftsteller wird allemal glauben, er ^

habe ihn übertreffen, so oft er eine Zeile niederschreibt, und dieß ^

zwar deßwegen, weil er die Schönheiten des Horaz als absolut ^