tief unter ihnen, ohnerachtet wir sogar Muster von ihnen voruns haben. Dieses kommt daher, weil das Gefühl des neuernKünstlers nicht scharf genug ist; es geht nur bis auf die körper-lichen Schönheiten seines Musters, nicht auf die moralischen, wennich so sagen darf. Man kann das Gesicht eines redlichen Men-schen sehen, man kann es aber auch gewissermaßen fühlen. DasLetztere ist das Erstere, verbunden mit einer Rücksicht auf das Mo-ralischgute, womit wir in ihm oft die Miene begleitet sahen.Was ich hier sagen will, wird wohl jeder verstehen, für den icheigentlich schreibe. So lange der Künstler nur bloß nach denAugen zeichnet, wird er nie einen Laokoon herausbringen, deretwas mehr als Zeichnung hat, der mit Gefühl verfertigt ist.Dieses Gefühl ist dem Künstler unumgänglich nöthig; aber wosoll er es lernen und wie? Unsere Ästhetiken sind bei weitemnoch nicht praktisch genug.
Rousseau nennt mit Recht den Accent die Seele der Redeikmilv I'. I. p. 96). Leute werden von uns oft für dumm an-gesehen, und wenn wir es untersuchen, so ist es bloß der ein-fache Ton in ihren Reden, der ihnen dieses Ansehen von Dumm-heit gibt. Weil nun der Accent bei den Schriften wegfällt, soniuß der Leser darauf geführt werden, dadurch, daß man deut-licher durch die Wendung anzeigt, wo der Ton hingehört, unddieses ist es, was die Rede im gemeinen Leben vom Brief un-terscheidet, und was auch eine bloß gedruckte Rede von derjeni-ge» unterscheiden sollte, die man wirklich hält.