Druckschrift 
2 (1844)
Entstehung
Seite
7
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eigen ist, so wie das Sylbenmaaß mehr in den südlichern ver-ehret wurde. Bei diesen ist Alles Musik, da bei jenen nur zu-weilen, aber desto stärker die Kunst und die Harmonie sichtbarwird. Ich zweifle nicht, daß die Griechen und Römer nicht bis-weilen auf Reime verfallen sein sollten, es war aber dieses Künst-liche ihnen allzufühlbar und daher verhaßt, so wie uns die Reimeschmetterte und kletterte; dahingegen ihr zarteres Ohrschon eher Füße zählen konnte, als das unsrige, das sich daherein fühlbares Sylbenmaaß, den Reim, erfand. Die alten deut-schen Werft haben oft nur Reime und fast gar kein Metrum.

Es ist eine richtige Beobachtung, wenn man sagt, daßLeute, die zu viel nachahmen, ihre eigene Erfindungskraft schwä-chen. Dieses ist die Ursache des Werfalls der italienischen Bau-kunst. Wer nachahmt und die Gründe der Nachahmung nicht

einsieht, fehlt gemeiniglich, sobald ihn die Hand verläßt, dieihn führte.

In Werken des Geschmacks ist es sehr schwer, weiter zukommen, wenn man schon einigermaßen weil ist, weil hierinein gewisser Grad von Vollkommenheit leicht unser Vergnügenwerden kann, so daß wir nur diesen Grad, der unsern ganzenGeschmack ausfüllt, zum Endzweck unserer Bemühungen machen.In andern Stücken, die nicht bloß auf das Vergnügen gehen,verhält es sich ganz anders. Daher haben wir es in den letzter»den Alten weit zuvorgethan; in den erster» aber sind wir noch