453
son ausgenommen, die dem Hunde oder ihr das Essen brachte.Das Ende dieses treuen Tbiers war höchst traurig. Nach demTode des Hundes wollte sie lange die Hütte nicht verlassen. Alsman endlich einen andern Hund, von fast gleicher Größe undFarbe, dem verstorbenen zum Nachfolger gab, wurde das armeThier durch den äußern Schein betrogen, und als sie sich treu-herzig zu ihm, in der Meinung, es wäre ihr alter Beschützernoch, in die Hütte begab, faßte sie der Succeffvr bei der Kehleund ermordete sie auf der Stelle. Was diese Geschichte merk-würdig macht, ist, daß die Zuneigung entstand, als das Thierschon erwachse» war, daß sie so ziemlich einseitig blieb, und daßsie nicht bloß Gewohnheit, sondern so etwas vvm contra! socialzum Grunde hatte. Die Gans, die vermuthlich öfters den Fuchsgespürt haben mochte, fand sich unter des Hundes Regierungsicher, und sie diente ihm dafür wieder, ob es gleich nicht ver-langt worden war; sie verfolgte den Feind,„dem der angeschlos-sene Hund bloß die Zähne weisen konnte. Übrigens ist Freund-schaft zwischen sonst gegen einander feindseligen Thieren, dieman zusammen aufgezogen hat, nichts weniger als ungewöhn-lich. Doch verdient ein Beispiel angeführt zu werden, das manin Göttingen gesehen hat. Jemand hatte einen Fuchs mit einemHuhn aufgezogen; diese bezeigten die größte Zuneigung gegeneinander, und waren immer beisammen, und dieses noch dazuan einem ziemlich einsamen Orte des Hauses, wo sie sich alsogrößtentheils unter ihren eigenen vier Augen mit einander un-terhalten mußten. Als das Huhn starb, trauerte der Fuchs nichtallein sehr aufrichtig, sondern soll auch den Ort ihres Umgan-ges, wie ich bore, einige Zeit vermieden haben, weil er seineFreundin da nicht mehr fand.
I