Druckschrift 
Ueber die merkwürdigen Quellen-Verhältnisse des westlichen Abhanges des Teutoburger Waldes
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

Seitdem die in den letzten Jahren an verschiedenenOrten Deutschlands u. s. w. erbohrten artesischen Brunnendurchaus eine die mittlere Luftwärme des Orts übersteigen-de Temperatur gezeigt haben, und damit meines Erachtensdie Temperatur-Zunahme nach dem Innern der Erde aufeine genügendere Weise, als durch alle Beobachtungen inBergwerken, dargethan worden ist: so hängt natürlich dieTemperatur einer Quelle, sey sie eine süsse oder eine Mi-neralquelle , erstens von der mitllern Luftwärme des Ortsund zweitens von der Tiefe, bis zu welcher das Meteor-wasser gelangt, ab. Nur in dem Fall also, in welchemdiese Wasser nicht bis zu der Teufe gelangen, wo die Tem-peratur-Zunahme schon merklich wird, kann aus der Tem-peratur der Quellen die mittlere Luftwärme, mit Berück-sichtigung der Bemerkungen der Herren von Humboldt,von Buch und Wahlenberg*), bestimmt werden. Da manaber diess von keiner Quelle wissen kann, und nach denbisherigen Beobachtungen die Temperatur in einer Tiefevon 80 Fuss schon um 1° R zunimmt**): so bleibt es beijeder Quelle unbestimmt, ob sie die mittlere Luftwärmeoder die höhere Temperatur aus grösseren Tiefen angiebt;obgleich wohl in den meisten Fällen, in nicht sehr zerklüf-teten Gebirgen jener Fall der gewöhnlichere seyn mag.

Da von denjenigen Quellen, die in ihrer Temperatursehr veränderlich sind, am wenigsten ein tiefer Ursprungzu vermuthen ist, und gleichwohl, wie mehrere Beobach-tungen IFahlenberg's ***) zeigen, ihr jährliches Mittel we-nig von dem Mittel der Luft-Temperatur abweicht: somöchten gerade diese Quellen vorzugsweise zur Bestim-mung der miltlern Luftwärme sich eignen. Wenigstensdürfte man da, wo in geringer Entfernung von einanderQuellen von constant höherer und von veränderlicher nie-

*) An den angeführten Orten und in Gilberi’s Arm. Bd. XLI.

S. 113 u. fg.; Poggendorß’s Ann. Bd. XII. S. 403. u. S. 410.

**) S. unter anderen Magnus in Poggendor/Ps Ann. Bd. XXII.S. 149.

***) Gilbert's Ann. Bd. XLI. S. 130 u. fg.