XI.1
r. Von dem, was in dem Gemüthe eines ari-dem Menschen bey irgendeiner bestimmten Gelegenheitvorgeht, können wir nur durch unsre eigne ErfahrungBegriffe erhalten. Und der einzige Weg, wie wir zudiesem Begriffe gelangen, ist, daß wir uns in Ge-danken in seine Stelle sehen, und uns selbst befragen,wie uns irr seiner Lage zu Muthe seyn würde. Wirkönnen uns nehmlich niemahls in Gedanken irr irgendeine Lage versehen, ohne etwas von dem Eindruckeauf unser Gemüth zu fühlen, den diese Lage, wenn siewirklich wäre, hervorbringen würde. Und die Auf-merksamkeit also, die wir auf den Zustand unsersNächsten wenden, muß immer in uns der Art nachähnliche, wenn auch in Graden weit schwächere Ge-fühle erwecken, als dieser Zustand selbst, wäre er dermistige, erwecken würde.
Daß diese durch die Einbildungskraft bewirkteVersetzung unsrer selbst in andrer Lage, die einzigeQuelle des Antheils ist, den wir an ihrem Schicksalenehmen, sucht Smith durch mehrere Beyspiele zu be-weisen. „Wenn wir sehen, daß ein heftiger Stoß„oder Schlag eben bereit ist, aus den Arm oder Fuß„eines andern zu fallen: so ziehen wir, vermöge einer„mechanischen Reitzbarkeit, unsern eignen Arm oder„Fuß zurück. Und wenn der Streich wirklich nieder-fällt: so fühlen wir etwas, als wenn wir an derftl-„ben Stelle verletzt wären. — Wenn Leute aus dem„Pöbel einem Seiltänzer zusehen, so pflegen sie ihren„Körper eben so zu drehen und zu wenden, als ob sie
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