XI. II
„stlbst in Gefahr wären zu fallen, und sich im Gleich-„gewicht zu erhalten suchten."
Etwas ähnliches, sagt Smith, findet Statt,so oft wir unsre Aufmerksamkeit angestrengt, aus denZustand eines andern Menschen richten. — „Jede„Leidenschaft, welche in der Hauptperson nach ihrer La-nge entsteht, erregt bey dem aufmerksamen Zuschauer„eine ähnliche, wiewohl schwächere Gemüthsbewe-ngung. An allem, was jener wiederfahrt, nehmen die„Bestehenden insofern Theil, als sie vermögend sind„sich in seine Lage hineinzudenken, oder glauben, daß„sie in derselben mit ihm gleichförmig fühlen würden."
Diese natürliche Anlage unserer Natur, uns inder Einbildung in die Lage andrer Menschen zu verse-hen, und an den Empfindungen Theil zu nehmen,welche diese Lage hervorzubringen geschickt ist , nenntSmith Sympathie oder Mitempfindung. In ei-nigen Fällen gesteht er zu, daß diese Sympathie aus-dem Anblicke der fremden Leidenschaft entstehe: in denmeisten Fällen aber, behauptet er, entstehe sie nichtsowohl aus dem Anblick der Leidenschaft, als aus derVorstellung der Lage selbst, von der sie die Folge war^.
2. Eine Sympathie, oder ein unter zwey Perso-nen gemeinschaftliches Gefühl, ist immer beyden ange-nehm. Wenn ich in einer Lage bin, die bey mir ir-gend eine Leidenschaft rege wacht: so ist es mir erfreu-lich zu wissen, daß die Zuschauer meiner Lage, etwasmeiner Leidenschaft ähnliches fühlen. Auf der andernSeite ist es auch für den Zuschauer angenehm, zu be-merken-