Die Eroberung von Demmin.
31
der Stadtmauer niedergeschossen, und die Besatzung erwartete mitjedem Tage, daß Sturm gelaufen werden würde. Dies war einehöchst unbehagliche Stellung, besonders für Savelli, welcher nichtohne Grund befürchtete bei dieser Gelegenheit alle seine Schätzezu verlieren, die Frucht so mancher vergangnen Feldzüge, unddie Hoffnung kommender Zeiten! Er erbot sich daher endlich dieFestung, gegen Bewilligung eines freien Abzuges der Besatzungund alles Privateigcnthums derselben, zu übergeben. Gustaf Adolfseines Theils fürchtete jeden Augenblick, daß er durch die AnkunftdeS großen kaiserlichen Heeres gezwungen werden möchte, dieBelagerung aufzuheben. Er willigte daher in den Vorschlag,und die ganze Besatzung verließ mit fliegenden Fahnen und demnachfolgenden Troß die Stadt, wobei Gustaf Adolf zu Pferdeihrem Zuge zusah. Zuletzt kam Savelli selbst. „Macht demKaiser mein Compliment," sprach Gustaf Adolf, „und sagt ihm,daß ich nur Krieg führe um der bürgerlichen und geistlichen Frei-heit willen. Aber Euch, mein Herzog," fügte er hinzu, „dankeich für Euer Bemühen Nom's glänzende Festlichkeiten zu verlassenum gegen mich zu kämpfen; denn Eure Person scheint mir passen-der für den Hos als für das Lager." — Hierbei warf er einenSeitenblick auf die gekräuselte Perücke, welche der Herzog nachdem damals allmählig aufkommenden französischen Gebrauche trug.Als er vorbei gezogen war, sagte der König zu seinen um ihnher stehenden Herren: „Der Kerl rechnet sehr auf des Kaisers
Güte. In meinem Dienste würde er für seine Feigheit ohneGnade den Kopf verloren haben." — Gleich nachher kam derTroß. Man erkannte darunter Quinti Del Ponte's Packwagen/Mehrere der schwedischen Befehlshaber äußerten: „Daß maneigentlich des Verräthcrs Eigenthum anhalten und als eine guteBeute betrachten sollte. " — „Ich habe mein Ehrenwort gegeben,"sagte Gustaf Adolf, „ und Keiner soll mir vorwerfen dies gebrochenzu haben."-— Der Wagen ging ungefährdet durch. Die Schwedenrückten in die Stadt und fanden dort sechs und dreißig Kanonennebst großen Vorräthe» an Getreide und Pulver.
Tilly ward höchlich aufgebracht über Savelli's Aufführung,entsetzte ihn gleich seiner Stelle und verklagte ihn förmlich beimKaiser. Aber Savelli wußte doch die Sache so einzurichten, daßer zu TillPs großem Verdruß frei gesprochen, und seitdem noch