Gustaf Adolfs Landung in Deutschland. ii
ganz gleichgültig zu einigen der gegenwärtigen Fürsten: „Dahaben wir wieder einmal ein Feinde! auf den Hals gekriegt."Dieser Ansteht gemäß wurden die Rüstungen betrieben, nachlässigund ohne Nachdruck. Es war gerade zur Zeit von Gustaf AdolfsLandung, daß der Kaiser Wollenstem und dessen Truppen verab-schiedete. Man zweifelte keinen Augenblick daran, daß Lilly unddessen Heer mehr als hinreichend zur Vertreibung der Schwedensein werde. Auch der alte Heerführer schien Magdeburg für wich-tiger anzusehen, als Gustaf Adolf, und überließ diesen letzter»ganz und gar dem Conti. Aber auch Conti war eben so über-müthig. „Gustaf Adolf", sagte er, „hat in Preußens Wäldernalle seine Lorbeeren verloren! " Er lagerte sich daher selbst mit derHauptmacht unbeweglich bei Stettin und bemühte sich nicht einmal,des Königs Landung zu verhindern. Seine Officiere, in Freudenund Ueberftuß lebend, unterhielten sich von der Armuth und Dürf-tigkeit des schwedischen Heeres, und daß dessen Officiere in freienStunden selbst ihre Strümpfe flickten. Solche Weiber, meinteman, würden sich gleich in ihren neugeflickten Strümpfen auf dieBeine machen, sobald sie nur aus wirkliche Soldaten träfen*')!Das Einzige, was einige Furcht einflößte, waren seltsame Ge-rüchte, welche von den abergläubischen Katholiken ausgestreutund geglaubt wurden. Der schwedische König, hieß es, habe inseinem Heere viele Lappen, Zauberer und furchtbare Wesen, derenbloßer Anblick den tapfersten Soldaten in die Flucht triebe.
Auch die schwedischen Soldaten machte» sich zum Theil ganzeigne Vorstellungen von diesem Kriegszuge. Unter andern wirderzählt, daß die neu eingetretenen Soldaten glaubten, durch dieFahrt über die Ostsee einen so unermeßlich langen Weg zurück-gelegt zu haben, daß es nun nicht weit mehr von Rom seinkönne! Sie fingen daher gleich an, die deutschen Bauern umden nächsten Weg nach dieser Stadt zu befragen, und äußertenbesonders große Lust, unverzüglich dorthin zu ziehen und denPabst, ihren und ihrer Väter alten Feind zu züchtigen.
-) Es findet hier im Text ein Wortspiel statt, welches nicht zu übersetzenist. Nehmlich: flicken hecht läpp», der, welcher flickt: tappare; indessenbedeutet das letztere Wort auch i. g. L. einen lappischen, höchst unbedeutende»Menschen, und ich glaubte im Sinn des schwedischen Wortes zu übersetzen,indem ich mich des Ausdrucks „Weiber" bediente, welche Benennung, wenn steSoldaten ertheilt wird, ja zugleich Verachtung und Verspottung in sich tragt. H.